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Das Bischöfliche Gymnasium Josephinum

Domhof 7 - 31134 Hildesheim - Tel: 05121-1795-0 - Mail: buero@gymnasium-josephinum.de

1200 Jahre Schule am Dom

Donnerstag, 07. Mai 2015 19:33

UK – German Connections: Host a teacher from Germany


England Logo AustauschAuch Lehrer haben die Möglichkeit an einem Austausch teilzunehmen. UK-German Connections in Zusammenarbeit mit dem Pädagogischen Austauschdienst organisieren ein Programm – Host a teacher from Germany – in dessen Rahmen Englischlehrer aus Deutschland für zwei bis drei Wochen an einer Schule im Vereinigten Königreich hospitieren können.
Diese internationale Begegnung im beruflichen Alltag bietet Horizonterweiterung auf vielen Ebenen. Maria Homeister, Oberstudienrätin am Josephinum und am Studienseminar Hildesheim in der Referendarsausbildung tätig, nutzte im März 2015 dieses einmalige Weiterbildungsangebot: Sie erhielt Einblicke in das Schulleben einer englischen Mädchenschule und in die Auffassung von Fremdsprachendidaktik und konnte auch ihre eigenen fremdsprachlichen Fähigkeiten erweitern.


 EIN BERICHT VON MARIA HOMEISTER, OStR'

Poole3Poole Grammar School for Girls ist eine sogenannte selective school, d.h. Mädchen können die Schule für sich wählen und die Schule wiederum kann wählen, ob die Bewerberinnen in der Schule aufgenommen werden. Schulgeld muss nicht gezahlt werden.

Die Schule genießt in der Region um Poole, Bournemouth und Swanage einen sehr guten Ruf und so nehmen die Schülerinnen teilweise einen sehr weiten Anfahrtsweg in Kauf. Eine Schülerin berichtet mir, dass sie für die Hin- und Rückfahrt täglich insgesamt 2 Stunden im Bus sitzt. Sicherheit wird an der Schule groß geschrieben und so muss ich mich jeden Morgen an der Rezeption anmelden, mich in das Besucherbuch eintragen und erhalte dann einen Besucherpass, den ich um den Hals tragen muss, damit ich gleich als Person identifiziert werden kann, die nicht zur Schule gehört. Nach Schulschluss muss ich mich wieder abmelden und den Besucherpass abgeben. Obwohl ich security checked bin, mein Pass kopiert wurde, meine Ernennungsurkunde kopiert wurde und ein erweitertes Führungszeugnis vorliegt, darf ich die Schule ohne Begleitung eines Kollegen/einer Kollegin nicht betreten. Am ersten Tag wurde ich der Schulleiterin vorgestellt, die mich höflich, aber sehr distanziert und ohne größeres Interesse begrüßt. Ich bin, als sich die Gelegenheit dafür bot, auf sie zugegangen und dachte, man könne doch einmal ein Gespräch über meinen Aufenthalt führen. Es wurde sehr schnell deutlich, dass sie keinen Wert auf ein Gespräch mit mir legte. Mein Besuch war ganz klar Sache des German Department.
Ich konnte während des Aufenthalts in Poole bei einem Kollegen von der benachbarten Poole Grammar School gegen Bezahlung wohnen (100 Pfund pro Woche).

Das Fächerangebot legt in den letzten Jahren einen Schwerpunkt auf Sprachen und Technologie. Drastische Kürzungen der Budgetierung von Schulen durch die Regierung haben jedoch dazu geführt, dass der Fremdsprachenbereich neuerdings deutliche Kürzungen zu verkraften hat. Im Moment lernen alle Mädchen in den Schuljahrgängen 7-9 Französisch und nehmen im Jahrgang 8 Spanisch oder Deutsch dazu. Am Ende des 8. Jahrgangs können sie sich entweder für Deutsch oder für Spanisch entscheiden, sie wählen eine dieser beiden Sprachen ab. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, alle drei Sprachen weiterhin zu belegen. Für die GCSE Prüfungen sind keine Fremdsprachen als Prüfungsfach vorgeschrieben und so ist es nicht verwunderlich, dass sich die meisten Schülerinnen gegen das teilweise mühsame Erlernen einer Fremdsprache entscheiden.

Sieben Jahre verbringen die Schülerinnen, die sich für die Parkstone Grammar School in Poole entscheiden, in dieser Einrichtung. Das erklärte Ziel dieser Schule ist, die Schülerinnen auf ein Leben als Erwachsene vorzubereiten und sie in die Lage zu versetzen, ihren Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Neben der Wissensvermittlung stehen die Werte Höflichkeit und Rücksichtnahme im Umgang miteinander fest im Schulprogramm. Die Schule will die Schülerinnen zu Selbstdisziplin, zu einem gesunden Selbstbewusstsein und zur Fähigkeit anleiten ihre Interessen nach außen hin zu vertreten. Dabei sollen sie gleichzeitig dabei unterstützt werden, ihr eigenes Potenzial zu erkennen und zu entfalten.

Die Anfängerklassen im Deutschunterricht sind recht groß und haben etwa 25 Schülerinnen, in jedem Jahr werden die Lerngruppen jedoch kleiner. Die Schülerinnen verlieren das Interesse und wählen die Sprache ab. Auch Französisch wird immer weniger belegt, nur Spanisch ist nach wie vor recht beliebt bei den Schülerinnen, aber auch hier zeigt sich ein Trend, der gegen das Erlernen von Fremdsprachen geht.

Die Schülerinnen sagen mir, dass das Erlernen einer Fremdsprache sehr mühsam sei und man mit Englisch doch gut in der Welt zurechtkäme. Die beiden Deutschlehrerinnen, von denen eine gebürtig aus Deutschland stammt, engagieren sich sehr für den Fortbestand des Deutschangebots im Fächerkanon der Schule. Poster, die Eindrücke von den letzten Deutschlandbesuchen wiedergeben, d.h. von dem Austauschprogramm, das die Schule mit einem Gymnasium in Frankenthal pflegt und den sehr beliebten Besuchen des Weihnachtsmarkts in Köln, sollen die Schülerinnen für das Fach gewinnen. Daneben stehen Versuche, sachfachliche Argumente an die Schülerinnen heranzutragen, die ihnen deutlich machen soll, dass das Erlernen der deutschen Sprache auch kulturell eine große Bedeutung hat.                                                           

Die engen Vorgaben der Prüfungen, die die Schülerinnen in jedem Jahr ablegen müssen, führen dazu, dass die Lehrerinnen ihren Unterricht immer stärker und enger an den Aufgabenformaten und inhaltlichen Vorgaben der Prüfungen ausrichten müssen. Der Ansatz der Unterrichtsplanung geht nicht so sehr von einem inhaltlich orientierten didaktischen Schwerpunkt aus, sondern von einem sehr kognitiv konzipiertem. Zu beobachten ist eine gewisse Abhakmentalität, weil die Lehrkräfte nachweisen müssen, dass wirklich alle erforderlichen Themen und Details im Unterricht angesprochen wurden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Schulen in einem öffentlichen Ranking erfasst werden, bei dem die Prüfungsergebnisse eine wesentliche Rolle spielen. Der Durchschnitt bei den Prüfungsergebnissen muss also gut sein, weil die Schule sonst im Ranking sinkt und Schüler verliert. Die Lehrer müssen dann belegen und dokumentieren, dass sie alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen haben, damit Lernschwächen und Probleme gelöst werden. Gegen Faulheit und auch gegen fehlende Begabung kann aber auch ein Lehrer nicht viel ausrichten. Häufig opfern die Lehrkräfte ihre Mittagspause, dann führen sie individuelle Gespräche und geben Lernhilfen, um die Erfolgsquote zu erhöhen bzw. den Vorwurf der mangelnden Förderung nicht auf sich sitzen lassen zu müssen.

Die Lehrer stehen unter einem enormen Erfolgsdruck, aus einer A- Schülerin muss eine A+ Schülerin gemacht werden, klappt das nicht, so muss der Lehrer belegen, dass von seiner Seite aus alle Maßnahmen zur Verbesserung ergriffen worden sind. Er muss detailliert erklären, warum sich die Schülerin im Examen nicht verbessert hat. Ein zeitraubendes und wenig sinnvolles Unterfangen, denn wir alle wissen, dass gerade Prüfungen ihre eigenen Gesetze haben, im positiven wie im negativen Sinn.

Diese von der Regierung in die Schulen hineingetragenen Vorgaben lassen pädagogische und didaktische Sinnhaftigkeit vermissen. Sie gehen auf das Prinzip der OFSTED Bewertung zurück, die zu einem Ranking der Schulen und zu einer Konkurrenzsituation geführt hat, die merkwürdige Blüten treibt. Die Qualität einer Schule und ihrer Lehrerschaft wird fast ausschließlich an den Prüfungsergebnissen der Schüler festgemacht. Die Vertreter des Board of Education gehen davon aus, dass Lehrer „machen können, dass alle Schüler alles können und verstehen“.

Gleichzeitig werden Stundenbudgets gekürzt, der Schwerpunkt in der Fremdsprache auf die Kompetenz Schreiben verlegt. Die aktive Anwendung der deutschen Sprache spielt nur eine sehr geringe Rolle.

Poole7Ich hatte die Gelegenheit, meine beiden Deutsch-Kolleginnen bei der Schulung der mündlichen Konversation zu unterstützen. In kleinen Gruppen habe ich kleine Gespräche mit den Schülerinnen geführt, die sich um einfache Fragen nach Name, Alter, Wohnort, Hobbies, Haustieren etc. drehten. Diese Fragebildungen waren vorab geübt und Vokabeln gesammelt worden. Dennoch fiel es den Schülerinnen zunächst sehr schwer, das Deutsch einer Deutschen zu verstehen, obwohl ich betont langsam und deutlich gesprochen habe und mich an die erlernten Formulierungen gehalten habe. Ich konnte ein regelrechtes Erschrecken und große Unsicherheit feststellen. Nach einer gewissen Zeit der Gewöhnung jedoch entspannten sich die Schülerinnen, die Aussprache und die spontane Satzbildung der Antwort wurden immer besser. Ich konnte viel Lob aussprechen und hoffe, dass ich dadurch zur Motivation beigetragen habe. Da es in diesem Jahr keine Fremdsprachenassistenz in Deutsch gibt, waren die Kolleginnen und Schülerinnen froh, dass wenigstens punktuell Konversation geübt werden konnte.

Mir ist aufgefallen, dass die Schülerinnen die Fragen aus den Aufgaben imitieren und auch die passenden Antworten dazu auswendig lernen. Das System der Sprache dagegen wird nicht durchdrungen, dazu bleibt keine Zeit. Das ist sehr schade, denn viele Schülerinnen zeigten durchaus sprachliches Talent. Durchhaltevermögen, das heißt Abitur in Deutsch, das haben nur einzelne Schülerinnen. In diesem Jahr treten nur drei zum Abitur an. Die beiden sehr engagierten Deutschlehrerinnen hoffen aber, dass sie in den nächsten Jahren wieder mehr Schülerinnen für das Fach Deutsch gewinnen können.

Die Ausstattung und die Lehrmittel sind modern und vielseitig. Das Lehrwerk bietet thematisch an Kapiteln zum täglichen Leben orientiert einen ansprechenden Überblick und stellt relevantes Sprachmaterial zur Verfügung. Für die unterschiedlichen Lerntypen stehen Bildmaterial, Audiodateien und Videos bereit. Im Sprachlernraum befindet sich ein Whiteboard, das große Flexibilität bei der Unterrichtsgestaltung zulässt. Die Initiative Tony Blairs, der während seiner Amtszeit die Schulen technisch auf den neuesten Stand gebracht hat, wirkt nach wie vor.

Die Schülerinnen können häufig selbstständig am Computer arbeiten und sind so im Lerntempo und in der Anordnung der Aufgaben unabhängig. Die Lehrbücher liegen auch in digitaler Form vor, somit können die Video – und Audiofunktionen individuell eingesetzt werden. Die Schülerin bestimmt selbst wie schnell sie den Texten oder Filmen folgt, wie oft sie bestimmte Passagen anhört. Für schnelle Lerner stehen noch eine Auswahl an animierten Übungen zur Verfügung, bei denen im Stil von Videospielen z.B. das Zuordnen von Vokabeln, Buchstaben oder Verbformen geübt werden kann.

Ein Unterrichtsgespräch, wie wir es aus dem Fremdsprachenunterricht kennen, wird nur in Form von Frage – Antwort geführt. Rollenspiele, szenische Verfahren zur spielerischen Anwendung von Sprache kommen nur sehr selten vor. Leider fehlt somit auch der ganzheitliche, affektive Ansatz des Spracherwerbs.

Für den flexiblen Einsatz im Unterricht stehen I-Pads in Klassenstärke zur Verfügung. Die Schülerinnen können im Internet nach Informationen suchen, sie können Texte verfassen und an die Lehrkraft zur Kontrolle schicken. Die I – Pads erlauben zudem, dass Fotos aufgenommen und Filme gedreht werden. In einer Stunde Citizenship sollten die Schülerinnen ein Interview zum Thema Multiculturalism entwerfen, durchführen und filmen. Die sehr gute Ausstattung der Schule erlaubt all dieses im Rahmen des Unterrichts ohne aufwendige organisatorische Vorbereitung . Jede einzelne Schülerin hat ihr eigenes I – Pad, ihr eigenes Werkzeug, ihre eigene Filmkamera.

Moderne Formen der Kommunikationstechnologie werden auch für die Kommunikation mit den Eltern eingesetzt. Diese erhalten einen abgesicherten Zugang zum offiziellen Informationsportal (Intranet) und können gleichzeitig spezifische Informationen über ihre Töchter abrufen. Zu diesen Informationen gehören Anwesenheitslisten ebenso wie eingetragene Bemerkungen über das Betragen und eingetragene Noten. Briefe, Informationen und Einladungen an die Eltern in Papierform konnten auf diese Weise abgeschafft werden.

Neben den Schulbüchern werden Hefte und Schreibpapier von der Schule gestellt. In allen Abteilungen der Schule lagern Hefte, Schreibpapier und Arbeitsmaterial. In jedem Klassenraum stehen Scheren, Plakate, Klebstoffe und Bastelmaterial zur Verfügung. Jede Abteilung hat einen eigenen Drucker, mit dem Lehrer und Schülerinnen Material aus dem Internet ausdrucken können, ein zusätzlicher Kopierer erlaubt zudem, dass Arbeitsvorlagen flexibel erstellt und vervielfältigt werden können. Jede Lehrkraft hat dafür einen festgelegten Budgetrahmen, der nicht überschritten werden darf. Schülerinnen und Lehrkräfte sind dadurch zu einem bewussten, sparsamen Umgang mit Material angehalten.

Poole4Die Schülerinnen werden an besonderen Tagen von der Uniformpflicht befreit. Am 05. März war Bookday, die Schülerinnen durften in ihrer Alltagskleidung zur Schule kommen oder konnten sich verkleiden. Viele Mädchen und einige Lehrer schlüpften in Kostüme und stellten Charaktere aus ihren Lieblingsbüchern dar. Dieses ist eine der im ganzen Land durchgeführten Maßnahmen, um der Lesemüdigkeit unter den Jugendlichen entgegenzuwirken. Überall im English Department hängen Schilder und Wahlsprüche, die zum Lesen auffordern und die die Bedeutung von Literatur herausstellen.

You do not have to burn books to destroy the culture of a nation, just stop reading them. Dieses war eines der Spruchbänder in einem Klassenraum des English Departments. Lesemüdigkeit – ein Problem, das genauso in Deutschland zu beobachten ist. Auch in unseren Schulen gibt es Plakataktionen, die zum Lesen anregen sollen.

Schock deine Eltern – lies ein Buch! Dieses ist ein Beispiel aus deutschen Schulen, das zeigt, wie ähnlich die Problematik gelagert ist. Der Bookday geht jedoch noch weiter und ist eine Idee, die sich auch in deutschen Schulen etablieren könnte.

Parkstone Grammar School hat eine Kantine, die die Schülerinnen und die Lehrer in der Frühstücks – und Mittagspause versorgt. Für Schülerinnen, die aus problematischen Verhältnissen kommen, wird im Breakfast Club ein stärkendes Frühstück kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Essen wird in der Schule selbst gekocht, es gibt nicht nur ein breites Angebot von Suppe bis Salat, der Koch geht auch auf Vorlieben (Vegetarier) ein und berücksichtigt Allergiker. Hier scheinen die Maßnahmen, die in den letzten Jahren von Seiten der Regierung zur Verbesserung des Essens in Schulen ergriffen wurden, deutlich Früchte zu tragen.

Die Schulleiterin der Parkstone Grammar School steht an jedem Morgen im Eingangsbereich und begrüßt ihre Schülerinnen und die eintreffenden Kollegen. Sie hält für die verschiedenen Jahrgänge wöchentliche Versammlungen in der Aula der Schule ab, in denen sie Hinweise zur Schulorganisation, zu anfallenden Terminen mitteilt und diese erläutert, ebenso macht sie dabei pädagogische oder disziplinarische Anmerkungen.

Punktuell werden die Versammlungen auch von Schülerinnengruppen vorbereitet und durchgeführt, dieses ist zum Beispiel der Fall, wenn Aktionen erläutert werden, die auf die initiative von Schülerinnen zurückgehen. Dazu gehören unter anderem Wohltätigkeitsveranstaltungen oder Angelegenheiten der Schülervertretung.

Der Schulleiterin ist sehr daran gelegen, die Schülerinnen wahrzunehmen und gleichzeitig auch für die Schülerinnen als Ansprechpartnerin zur Verfügung zu stehen. Sie steht in der Regel zusammen mit Mitgliedern der Schulleitung im Eingangsbereich der Schule und verfolgt das Eintreffen der Schülerinnen und des Lehrerkollegiums. Diese geschieht, weil großer Wert auf Pünktlichkeit gelegt wird und weil gleichzeitig auf diese Weise überprüft wird, ob die Schuluniform der Schülerinnen akzeptabel ist. Lediglich für den 13. Jahrgang gilt die Uniformpflicht nicht mehr, diese Schülerinnen betreten die Schule nicht durch den Haupteingang, sie nutzen einen Nebeneingang, somit kann die aufmerksame Schulleiterin die Kleidung dieser Schülerinnen nicht überprüfen. Diese Tatsache wird von einigen dankbar ausgenutzt.

Zu den Zeiten, an denen die gesamte Schüler(-innen-)schaft in der Schule in Bewegung ist, z.B. in der Mittagspause und bei der Vollversammlung, gibt es Helfer (supportive staff), die in den Gängen patroullieren und die Schülerinnen zu Ruhe und Umsicht anhalten. Die Benutzung der engen Treppen ist genauestens geregelt. Es ist festgelegt, welche Treppe man für das Hinaufsteigen benutzen muss, und welche nur für das Herabsteigen benutzt werden darf. Also: up only - down only. Durch diese Reglementierung werden Rangeleien, Konflikte und in der Enge auftretende Aggressionen im Zaum gehalten.

Der Schultag beginnt um 8.25 mit einer Vollversammlung in der Aula und einer darauf folgenden Registrierung in den jeweiligen Klassen, bzw. Tutorengruppen. Die Anwesenheit wird von der Lehrkraft überprüft und am Computer- in jedem Klassenraum steht dafür ein Laptop zur Verfügung- eingegeben. Diese Informationen werden im Sekretariat gesammelt und gesichtet. Fehlt eine Schülerin ohne Entschuldigung oder ohne Nachricht von den Eltern, rufen die Sekretärinnen zu Hause an und klären den Grund für die Abwesenheit. Dieses Vorgehen erfordert einen hohen Zeit – und Arbeitsaufwand und sichert einen halben Arbeitsplatz im Sekretariat.

Im Englischunterricht der 8. Klassen wird Shakespeare gelesen, in diesem Jahr ist es das Stück The Taming of the Shrew. Die Bewältigung der Sprache fällt den jungen Schülerinnen fast genauso schwer wie den Schülern der Sekundarstufe II in Deutschland. Die thematische Ausrichtung des Unterrichtsgesprächs dreht sich um das Rollenverständnis und das Frauenbild, das von Shakespeare gezeichnet wird. Diese soll zum modernen Bild der Frau in Beziehung gesetzt werden. Nur wenige Schülerinnen beteiligen sich, was die Vermutung nährt, dass dieses Thema, diese Lektüre nicht direkt mit der Wirklichkeit der Schülerinnen verknüpft wird.

Im Jahrgang 12 wird Khaled Hosseinis The Kite Runner gelesen, ein Buch, das international bekannt ist und auch von unseren Schülern gelesen wird. Der Umgang mit der Literatur ist vergleichbar mit der Unterrichtspraxis in Deutschland. Bei der Sprachanalyse geht die Lehrerin so vor, wie ich es aus dem Englischunterricht kenne. Die Nutzung von kreativen literarischen Lücken, die Verknüpfung von Bildmaterial mit der Textvorlage könnten Teil der Didaktik einer Englischstunde meines eigenen Unterrichts sein.

Ich hatte auch Gelegenheit im Jahrgang 8 (13-jährige Schülerinnen) am Geschichtsunterricht teilnehmen zu können. Das Thema war The Holocaust, dieser geschichtliche Aspekt wird aus der Geschichte des 3. Reiches herausgelöst und somit isoliert im Unterricht betrachtet. Ein Vorgehen, das ich als Historikerin problematisch finde. Die Schülerinnen sind noch sehr jung, zudem fehlt Ihnen genügend historisches Wissen, um die Geschehnisse im Zusammenhang mit dem Holocaust einordnen zu können. Ich ermutige die Schülerinnen dazu, mir Fragen zum behandelten Thema oder Fragen zum Umgang mit dem Holocaust in Deutschland oder zu anderen Bereichen zu stellen. Nach anfänglicher Scheu stellen die Schülerinnen tatsächlich viele Fragen, die sich alle um den Holocaust drehen. Eine Schülerin fragt, ob dieses Thema auch in deutschen Schulen behandelt wird. Sie möchte außerdem gern wissen, ob auch deutsche Schüler über den Holocaust erschrocken und empört sind, ob deutsche Schüler dieses Vorgehen gegen Juden vielleicht sogar gutheißen. Ich muss mich ernstlich fragen, welches Bild von Deutschland und den Deutschen in den Köpfen kursiert. Welches Bild wird in den Medien, vielleicht sogar in den Schulen von den Deutschen transportiert? Diese Begegnung hat mich traurig gemacht und verzagt. Wir befinden uns im 21. Jahrhundert, wir leben eng zusammen in Europa, wir leben global, aber die neue Generation hat keine Ahnung von dem Nachbarn in Europa. Andererseits bin ich auch froh und dankbar dafür, dass ich am Unterricht teilnehmen durfte, dass ich da sein konnte, um gedankliche Verwerfungen und Missverständnisse in diesem Moment aufzulösen. Aber was geschieht sonst? Ja, sonst bleiben eigene gedankliche Konstrukte als Wahrheit stehen. Ein schrecklicher Gedanke. Darum erwarte ich von einer Geschichtslehrerin im heutigen Europa, dass gegenüber den Schülerinnen deutlich gemacht wird, dass Deutschland nach dem 2. Weltkrieg einen Demokratisierungsprozess durchlaufen hat, der das Land zu einem freien, weltoffenen Teil Europas gemacht hat. Den englischen Schülerinnen müsste ganz klar gesagt werden, dass Deutschland genau dieselben Werte vertritt wie ihr eigenes Land, und dass deutsche Soldaten in Afghanistan ihr Leben zusammen mit englischen Soldaten aufs Spiel setzen im Kampf für Freiheit. Im Geschichtsunterricht von heute muss erwähnt werden, dass Deutschland sich seiner Verantwortung für die Geschehnisse im Nationalsozialismus gestellt hat und stellt. Eine isolierte Betrachtung des Holocaust ist als curriculare Vorgabe des Geschichtsunterrichts im modernen Europa unpassend.

Der offizielle 6th form school prospectus, der an interessierte Schülerinnen und ihre Eltern ausgegeben wird, enthält Informationen über alle in der Oberstufe angebotenen Fächer. Jedes Fach stellt sich auf einer Din-A4 Seite vor, dabei werden nur teilweise Inhalte aufgeführt. Grundsätzlich geht es bei der Präsentation um übergeordnete Ziele, die im Unterricht des jeweiligen Faches verfolgt werden. Jedes Blatt ist mit einem Bild versehen.

Das Informationsblatt zum Fach Geschichte enthält allgemeine Aussagen über die Zielsetzung des Faches z.B. understand the world that they live in und evaluate cause and effect. Es werden keine genauen Fachinhalte aufgeführt. Das Bild, welches zur Illustration des Fachs Geschichte ausgewählt wurde, zeigt den Eingang zum Konzentrationslager Auschwitz mit dem Torbogen „ Arbeit macht frei“. So findet der Geschichtsunterricht der Mittelstufe seine Fortsetzung in der Oberstufe.

Viele Schülerinnen tragen ein oder auch mehrere unterschiedliche Abzeichen an ihrer Uniform. Diese sind Auszeichnungen für besonderes Engagement im Schulleben. Anstecker gibt es für die Zugehörigkeit zu einem Club, zum Schulorchester oder zu einem Sportteam. Außerdem tragen die Schülersprecher ein besonderes Abzeichen, das farblich anders gestaltet ist und die Trägerin somit aus der Menge heraushebt. Parkstone Grammar School würdigt besondere Schülerleistungen auch im akademischen Bereich und veranstaltet jedes Jahr am Schulvormittag eine Preisverleihung, bei der in der Aula vor großem Publikum Schülerinnen geehrt werden, die besonders gute Noten erreicht haben. Die Kollegen berichten mir, dass dadurch Leistung anerkannt werden soll, aber gleichzeitig eine Signalwirkung und ein Ansporn für die jüngeren Schülerinnen daraus erwachsen soll. Der Gedanke: Ich möchte auch einmal auf der Bühne stehen und alle applaudieren mir, meinem Fleiß und meinen hervorragenden Leistungen.

An einem Tag in der zweiten Woche meines Aufenthalts hatte ich die Gelegenheit, an der Poole Grammar School for Boys im Deutschunterricht zu hospitieren. Die Schule arbeitet eng mit der Parkstone Grammar School zusammen, in einigen Kursen des 12. und 13. Jahrgangs werden die Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichtet, wenn die Teilnehmerzahl ansonsten so gering wäre, dass der Kurs nicht zustande kommen würde. Da die beiden Schulen nur einen kurzen Fußweg voneinander entfernt liegen, stellt die Kooperation für die Beteiligten kein logistisches Problem dar. Ich bin überrascht, wie gut die Jungen Deutsch sprechen können. Sie sind der Sprache gegenüber sehr aufgeschlossen und sind sehr erfreut darüber, die Gelegenheit zur Konversationen mit einer echten Deutschen zu haben. Der Tag an Poole Grammar School hat mir großen Spaß gemacht, ich konnte für mich feststellen, dass die Atmosphäre lockerer war als in der Mädchenschule. Auch die Jungen müssen die Prüfungen bewältigen und stehen unter Erfolgsdruck ebenso wie die Lehrkräfte, dennoch ist der Umgang mit diesen Anforderungen anders.

Unterschiede zur Heimatschule und Fazit

In meinem Bericht deuten sich schon einige Unterschiede zwischen Parkstone Grammar School und meiner Schule an. Diese liegen aus meiner Sicht besonders im Bereich der technischen Ausstattung, in der didaktischen Konzeption von Fremdsprachenunterricht und im Umgang mit anstehenden Prüfungen. Der bedeutendste Unterschied zwischen deutschen Gymnasien und Parkstone Grammar School liegt jedoch in der Bedeutung, die dem Erlernen von Fremdsprachen zugemessen wird. Fremdsprachen werden meiner Ansicht nach im Vereinigten Königreich viel zu wenig gefördert. Es wird nicht gesehen, dass es bei dem Erlernen einer Fremdsprache um mehr geht als um Wortschatz und Grammatik.

Der bürokratische Aufwand für die Lehrerinnen und Lehrer ist noch größer als der, den wir betreiben müssen. Die Beobachtung der Schülerinnen, besser gesagt die Kontrolle der Schülerinnen muss sehr viel engmaschiger durchgeführt werden als in Deutschland. Jedes Detail, jedes Gespräch, jede Aktivität muss dreifach abgesichert werden.

Die Klassen sind so groß wie an meiner Schule, der Korrekturaufwand jedoch um einiges höher. Jedes Schreibprodukt muss in den Hausheften von dem unterrichtenden Lehrer markiert werden, darunter muss detailliert genannt werden, worin die Vorzüge des Produkts liegen und inwiefern sich die Schülerin verbessern muss. Auch wenn etwas sehr gut gelungen ist, muss ein Optimierungshinweis gegeben werden. Das empfinden die Schülerinnen als frustrierend, da sie das Gefühl haben, dass ihre Anstrengungen nie ausreichen. Für die Lehrer ist das fast tägliche Anschauen der Stapel an Hausheften ein Zeitfresser, der die Beschäftigung mit sinnvolleren Tätigkeiten verhindert. Die Lehrerinnen und Lehrer sind Getriebene, die von Vorschriften, Reglementierungen, Examina und Erfolgsdruck bestimmt sind.

Poole5Die Eindrücke, die ich in den zwei Wochen an der Poole Grammar School gewonnen habe, haben mich sehr zum Nachdenken über Schule und über Europa angeregt. Poole Grammar School verkörpert auf eine echte, unverfälschte und kraftvolle Weise englische Kultur und Mentalität. Diese Einsicht hat mir für meine eigene Schule ganz neu die Augen geöffnet und hat mich für ihre Eigenarten und Stärken sensibilisiert.

Wir müssen noch stärker auf Kommunikation über unsere Arbeit setzen, wir dürfen uns von den administrativen Vorgaben nicht so hetzen lassen, dass der Mittelpunkt unserer Arbeit – Schülerinnen und Schüler – aus dem Blick gerät. Erziehung und Bildung braucht Zeit.

Die Orientierung unserer unterrichtlichen Tätigkeit auf die Vermittlung von Kompetenzen, auf vernetztes Lernen und Denken, auf die Erziehung zum selbstständigen Denken, auf das Bilden und Einfordern von individueller Positionierung, auf das Einbinden der Schülerinnen und Schüler in den Unterrichtsprozess selbst, ist ein Weg, der sich für mich erneut als richtig und alternativlos darstellt.

Sprachlich stellt der Aufenthalt für mich einen großen Gewinn dar, weil ich viele neue idiomatische Ausdrücke gelernt habe, die der aktuellen Jugendsprache entspringen, und die ich an meine Schülerinnen und Schüler weitergeben kann. Flüssigkeit und Sicherheit in der Anwendung der Sprache haben sich erneut gefestigt.

Ich konnte beobachten, dass alle Schülerinnen und Schüler an den von mir besuchten Schulen großes Interesse an Deutschland und an der Begegnung mit deutschen Jugendlichen haben. Die Notwendigkeit des Erlernens der Sprache jedoch ist nicht so einfach zu vermitteln, wie die Notwendigkeit des Englischlernens bei uns. Das ist klar. Dennoch sollten internationale Programme weiterhin stark auf die direkte Begegnung von Menschen und die Förderung des Sprachenlernens setzen.

Ich hoffe, dass auf diese Weise endlich auch überkommene Deutschlandbilder korrigiert werden.