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Das Bischöfliche Gymnasium Josephinum

Domhof 7 - 31134 Hildesheim - Tel: 05121-1795-0 - Mail: buero@gymnasium-josephinum.de

1200 Jahre Schule am Dom

Montag, 18. März 2013 13:12

HAZ vom 27.12.2010: Der Tag, an dem die Gestapo kam

Der ehemalige Josephiner Gerhard Gustav Koch wurde 1942 als 14-Jähriger von der Geheimen Staatspolizei verhaftet

Hildesheim (wü). Der Montag im Juni 1942 ist einer jener Tage, die Gerhard Gustav Koch nie vergessen wird. Deutschland steht unter der Schreckensherrschaft des Nazi-Regimes, der Zweite Weltkrieg tobt an allen Fronten, noch ist Hildesheim verschont. Es ist um die Mittagszeit und sommerlich warm. Koch ist auf dem Heimweg von der Schule, er besucht das Gymnasium Josephinum. Bis zur elterlichen Wohnung in der Jakobistraße ist es nur ein Katzensprung. Als der 14-Jährige die Holztreppe in dem alten Patrizierhaus emporsteigt, schwant ihm Böses. Seine Mutter steht weinend in der Wohnungstür, hinter ihr zwei Männer. „Vater ist im Werk festgenommen worden“, schluchzt Elisabeth Koch. Das Werk, das ist das Senkingwerk, in dem Theodor Koch als Buchhalter arbeitet.

gerhard gustav koch






Gerhard Gustav Koch schaut sich Fotos aus seiner Jugendzeit an. Die Erinnerungen sind nicht immer gut. Als 14-Jähriger wurden er und seine Eltern von der Gestapo verhaftet. Foto: Hartmann

Der lange Arm der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) hat die Familie im Griff. „Sie müssen mitkommen“, sagt einer der beiden Männer, ein Gestapo-Mann. Warum, das würden sie später erfahren. Sein Begleiter, ein Polizist namens Westermann, nickt. Gerhard Gustav Koch, ein keckes Bürschchen, reizt die Staatsmacht. „Ich muss erst noch Mittagessen“, sagt er und erntet dafür bitterböse Blicke. Aber man lässt ihn essen, es gibt Schnippelbohnen. „Dabei habe ich die gehasst“, sagt Koch und schmunzelt.

Seine Mutter packt die nötigsten Sachen zusammen, dann führt der Weg direkt in die Gestapo-Zentrale in der Gartenstraße, eine große Villa, deren jüdischer Besitzer enteignet worden war. Im Keller haben die Nazi-Schergen 20 Zellen eingerichtet. Elisabeth Koch und ihr Sohn kommen hinter Schloss und Riegel, jeder für sich. Stunden zuvor war auch Kochs Vater in dem Keller inhaftiert, er sitzt inzwischen in Hannover in Haft.

Es folgen Verhöre, Tag für Tag, drei Wochen lang immer dieselbe Frage: „Was hat dein Vater auf der Schreibmaschine geschrieben?“ Gerhard Gustav Koch hat keine Antwort darauf, er weiß es schlichtweg nicht – genau wie seine Mutter. Nach drei Wochen lässt die Gestapo den Jungen frei. Zuvor muss er noch eine Erklärung unterschreiben. Darin verpflichtet er sich, niemandem etwas über seine Inhaftierung zu erzählen. Bei Nachfragen soll er angeben, dass er zur Erholung geschickt wurde. „Die Gestapo wollte unter allen Umständen verhindern, dass ihr Treiben publik wurde“, sagt Koch.

Für seine Eltern war die Odyssee damit noch nicht beendet. Elisabeth Koch musste drei Monate im Gefängnis bleiben, ihr Mann sogar ein halbes Jahr.

Erst viel später, nach dem Krieg, erfährt Gerhard Gustav Koch den Grund für die Festnahme. Sein Vater hatte einen Hirtenbrief des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen in dreifacher Ausfertigung auf seiner Schreibmaschine abgetippt. In dem Hirtenbrief prangerte Galen öffentlich die Euthanasie an, die Tötung kranker und behinderter Menschen durch die Nazis.

Theodor Koch hatte ein Exemplar des bischöflichen Papiers auch im Senkingwerk verteilt. Es dauerte nicht lange, bis die Kopie des Hirtenbriefs auf dem Schreibtisch des Werkdirektors lag. Der Mann, ein strammer Nationalsozialist, informierte daraufhin die Gestapo.

Der menschenverachtenden Euthanasie fiel auch eine junge Frau aus Gerhard Gustav Kochs Nachbarschaft zum Opfer. Paula, eine geistig Behinderte, wohnte im selben Haus in der Jakobistraße. Eines Tages war sie verschwunden. Erst nach vier Monaten erhielt Paulas Mutter eine traurige Nachricht. Ihre Tochter sei leider in einem Krankenhaus gestorben – an einer Grippe.