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Das Bischöfliche Gymnasium Josephinum

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1200 Jahre Schule am Dom

Mittwoch, 02. März 2022 16:46

HAZ vom 26.02.2022: Von Medicus bis Hape Kerkeling: Nicht ohne diesen ehemaligen Josephiner

Ob bei dem Bestseller „Ich bin dann mal weg“ oder dem erfolgreichen TV-Mehrteiler „Ku’damm ’59“ – Andreas Lange hat seine Finger mit im Spiel

Der Mann mit dem blauem Stoffhut und dem Rucksack schnauft. Der spanische Dauerregen lässt nicht locker. Doch der Pilger (Schauspieler Devid Striesow alias Hape Kerkeling) läuft und läuft. Immer in der Hoffnung, auf dem steinigen Weg zu sich selbst zu finden – auf der Leinwand begleitet von atmosphärischen Streicher-Klängen. Wenige Töne genügen und Andreas Lange weiß sofort, um welchen Kino-Film es sich handelt, ohne auch nur ein einziges Bild gesehen zu haben. Kein Wunder, hat der gebürtige Hildesheimer doch bei dem Bestseller „Ich bin dann mal weg“ mitgewirkt – so wie in sehr vielen weiteren bekannten Produktionen in Film, Fernsehen und Musical auch.

Im Kino muss man allerdings etwas länger sitzen bleiben, um im Abspann den Namen von Andreas Lange zu lesen. Denn er wird als Orchestrator genannt. Jener Mann im Hintergrund, der die Stücke für die Filmmusik orchestriert. Die wenigsten Komponistinnen und Komponisten legen heute noch mit Papier und Bleistift los, sondern sie entwerfen ihre Musik am Computer. Diese Werke sollen aber später von einem realen Orchester eingespielt werden. „Also das, was der Komponist an musikalischen Ideen vorgibt, das übersetze ich in Noten“, sagt der 43-Jährige. Man könnte auch sagen, Andreas Lange vervollständigt und veredelt die Werke.

Dabei ist die Bandbreite sehr groß: Allein in den beiden vergangenen Jahren arbeitete er bei so unterschiedlichen Werken wie dem Politthriller „Der Fall Collini“, der Romanze „Love Sarah“, der Doku „Das geheime Leben der Bäume“, den TV-Mehrteilern „Ku’damm 59“ und „Der Palast“ oder auch bei bekannten Kinderfilmen wie „Lassie“ und „Drachenreiter“ mit. Zuvor ist der Hildesheimer als Orchestrator auch bei großen Spielfilmen wie „Der Medicus“ oder „Timm Thaler“ engagiert gewesen, letzterer wurde 2017 in der Kategorie „Beste Musik“ sogar für den Deutschen Filmpreis nominiert.

In der Filmbranche ist jeder Tag teuer, die Deadline für gewöhnlich sehr eng, so dass die Komponisten meist gar nicht dazukommen, ihre Partituren bis ins Detail auszuarbeiten. Das übernimmt dann der Orchestrator. Und auch er hat meistens gehörig Zeitdruck. „Es ist nicht selten, dass die Noten erst einen Tag vor der Aufnahme abgegeben werden, manchmal wird auch noch parallel geschrieben – dann sind die Noten noch warm.“ Zuvor hat Lange vom Komponisten eine Datei bekommen und hört, was für Musik zu welchen Bildern und Dialogen vorgesehen ist – mitunter auch schon am Keyboard vom Komponisten selbst eingespielt. Das Vertrauen in das Können des Hildesheimers ist dabei offensichtlich groß. „Viele Komponisten kennen mich inzwischen so gut, dass wir uns fast blind verstehen, einer vom anderen ohne viele Worte weiß, was zu tun ist.“ Immerhin hat Musik großen Einfluss, ob eine Szene gruselig, romantisch oder lustig wirkt. „Ich bin quasi die Schnittstelle, die aus den digitalen Demos die Partitur für das Orchester schreibt“, sagt der 43-Jährige.

Das klingt dann doch etwas untertrieben. Andreas Lange selbst ist studierter Trompeter und auch Komponist. „Der ehemalige Hildesheimer Domorganist Fritz Soddemann hat mich von Anfang an sehr gefördert.“ Trompeten-Unterricht hatte er an der Musikschule Hildesheim bei Nicolai Gliserin und Erich Scharnofske. Nach seinem Abitur am Josephinum hat der Itzumer an der Musikhochschule Hannover studiert, anschließend ein Aufbaustudium „Filmmusik-Komposition“ an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg absolviert. Für seine Kompositionen für symphonisches Blasorchester ist er mehrfach ausgezeichnet worden. Seine Orchestrationen für Film und Fernsehen sind mittlerweile von bekannten Orchestern in renommierten Aufnahmestudios in ganz Europa eingespielt worden.

Dazu gehört beispielsweise das Deutsche Filmorchester Babelsberg sowie Aufnahmen in den weltbekannten Air Studios in London. „Mein absolutes Vorbild ist der legendäre Filmkomponist John Williams aus den USA.“ Nun, der Hildesheimer hat bereits auch schon als Lead Orchestrator bei „Pets United“ mit dem Hollywood-Komponisten David Newman zusammengearbeitet sowie auch Orchestrationen für den sowohl in Hollywood als auch in Deutschland bekannten Harold Faltermeyer übernommen.

2007 wurde Lange sogar ausgewählt, an einem Workshop mit Richard Bellis in Los Angeles teilzunehmen, bei dem er mit dem Hollywood Symphony Orchestra in der 20th Century Fox Newman Stage seine Kompositionen dirigierte und aufnahm. „Ein großartiges Erlebnis“, erinnert sich der Hildesheimer. Ebenso die Begegnung mit Sänger und Pianist Udo Jürgens, den er bei den Orchesteraufnahmen zu dem Film „Der Mann mit dem Fagott“ im Jahr 2011 kennenlernte. „Er hat mich als Mensch sowie als Musiker sehr beeindruckt.“ Man habe bei ihm immer das Gefühl gehabt, dass er die Arbeit eines jeden Einzelnen des Teams sehr wertschätzte.

Wenn der Orchestrator in so vielen bekannten Streifen an der Musik beteiligt gewesen ist, kann er dann überhaupt noch Filme im Kino oder im Fernsehen entspannt genießen? „Ja, als Kinobesucher höre ich privat zwar auch ab und an automatisch analytisch, kann dieses aber zum Glück abschalten und einfach den Film genießen“, sagt Lange, der mit einer Tierärztin verheiratet ist. Der Musiker arbeitet zwar viel allein in seinem Studio, braucht zudem technisches Verständnis und Wissen für die digitalen Feinarbeiten, aber letztlich fühlt er sich als Teil eines großen Ganzen. Das gefällt ihm. Wie gut die Zusammenarbeit gewesen ist, das zeige schließlich die fertige Produktion. So wie beim Pilger-Bestseller „Ich bin dann mal weg“ – ein sehr erfolgreicher Selbstläufer. Nicht zuletzt auch deswegen, weil der Hildesheimer Andreas Lange an entscheidenden Schritten im Film beteiligt gewesen ist.