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Das Bischöfliche Gymnasium Josephinum

Domhof 7 - 31134 Hildesheim - Tel: 05121-1795-0 - Mail: buero@gymnasium-josephinum.de

1200 Jahre Schule am Dom

Donnerstag, 17. Juni 2021 10:35

HAZ vom 10.06.2021: So kam die Sonnenfinsternis sogar in die Hildesheimer Klassenzimmer

Hildesheim - Die Sonnenfinsternis über Hildesheim war mit bloßem Auge für die meisten nicht erkennbar – doch in vielen Klassen des Gymnasiums Josephinum in Hildesheim wurde sie sichtbar.

 

Schüler auf dem Dach des Kolleggebäudes betrachten die Sonnenfinsternis. Sie schützen ihre Augen mit Spezialbrillen.
                                                                                                                                                                                                     Foto: Julia Moras/HAZ


Hildesheim
- „Die Sonnenfinsternis hat begonnen“, ruft Arndt Latußeck gegen 11.30 Uhr auf dem Dach des Kolleggebäudes, und ein Dutzend Schülerinnen und Schüler sprinten zu ihren Teleskopen oder greifen zu den bereitliegenden Spezialbrillen. Für alle anderen machen Julius und Martha das alle paar Jahre wiederkehrende Naturphänomen sichtbar: Sie lassen die Sonnenstrahlen durch ein kleineres Teleskop auf ein weißes Blatt Papier fallen. Und ab 11.30 Uhr flacht sich die kleine Kugel, die die Umstehenden dort sehen können, zunehmend ab. „Das ist der Mond, der sich jetzt vor die Sonne schiebt“, sagt Latußeck.

Gemeinsam mit seiner Astronomie-AG hat sich der Lehrer des Josephinums an der Sternwarte der Schule getroffen, um dem Naturschauspiel beizuwohnen. Während sich bei totalen Sonnenfinsternissen der Mond komplett vor die Sonne schiebt und vorübergehend einen gewaltigen Schatten auf die Erde wirft, verdeckt er am Donnerstag lediglich einen Bruchteil der Sonne. Wer es nicht weiß, bekommt deshalb auch nichts mit. Für alle anderen ergeben sich imposante Bilder. Vor allem, wenn sie Geräte wie das große Teleskop auf dem Dach des Schulgebäudes zur Verfügung haben.


Sogar die Berge und Täler des Mondes sind zu erkennen

„Kannst du die Ausfransungen am Rand erkennen – das sind die Berge und Täler des Mondes“, sagt Latußeck zu Ole Benstem. Der 18-Jährige ist das aktuelle „Jugend forscht-Aushängeschild“ der Arbeitsgemeinschaft und auch der Schule. Er hat gerade den dritten Bundessieg in der Kategorie Geo- und Raumwissenschaften mit einer Untersuchung zu „Astronomischen Seeings durch Aperturfotometrie von Strichspuren“ gewonnen und sich damit in eine Reihe vieler erfolgreicher Schülerinnen und Schüler des Josephinums gestellt, die schon vor ihm Bundessiege nach Hildesheim holten. Und ja, die Berge und Täler auf dem Mond kann er gut erkennen.

Wer der Gruppe auf dem Dach eine Zeit lang zuschaut, bekommt eine Ahnung davon, warum rund um das katholische Gymnasium so viele junge Menschen für Dinge brennen, die sich hunderttausende Kilometer oder sogar noch deutlich weiter entfernt zutragen. Latußeck überträgt die Bilder des großen Teleskops per Zoom in zahlreiche Unterrichtsräume, er moderiert anschaulich und beantwortet Fragen. „Warum vibriert das Bild, das ich sehe?“, fragt eine Schülerin etwa. „Das liegt an der warmen Luft dazwischen“, sagt Latußeck. Bei starker Hitze flirre auch die Luft über dem Asphalt und lasse den Hintergrund so aussehen, als wenn er wackele. „So ähnlich ist es hier auch.“


Spezielle Filter schützen die Augen vor Verletzungen

Was auf den ersten Blick vielleicht wie ein banaler Blick durch ein beliebiges Fernrohr wirkt, ist in Wirklichkeit ein kleines Stück Wissenschaft. Die Teleskope sind mit speziellen Filtern versehen. Wer ohne sie in die Sonne schaut, kann sich schwer an den Augen verletzen, vielleicht sogar erblinden. Außerdem müssen die Bewegungen ausgeglichen werden, denn auch während der rund zweistündigen Sonnenfinsternis drehen sich natürlich sowohl die Erde als auch der Mond weiter. Julius dreht deshalb mitunter ein wenig an einem Gegengewicht, um die Bewegungen auszugleichen, während Martha das weiße Blatt Papier unter das Okular hält. Beide sind Feuer und Flamme. Julius signalisiert das sogar durch sein T-Shirt. „Nasa“ ist darauf zu lesen. „Ich war auch schonmal mit meinen Eltern in Cape Canaveral“, erzählt er. Der Küstenabschnitt in Florida gehört zu den wichtigsten Weltraumbahnhöfen der amerikanischen Raumfahrt.

Für das Team des Josephinums ist es das erste Treffen dieser Art seit vielen Monaten. Die nächste kleinere Sonnenfinsternis soll man von Deutschland aus erst am 25. Oktober 2022 wieder zu Gesicht bekommen. Die letzte totale Sonnenfinsternis war am 11. August 1999. Und bis zur nächsten werden noch viele Jahre vergehen: Sie wird von Deutschland aus am 3. September 2081 zu sehen sein.