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Das Bischöfliche Gymnasium Josephinum

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1200 Jahre Schule am Dom

Donnerstag, 09. Mai 2019 18:49

Kirchenzeitung vom 12.05.2019: Jugend für Europa

Bischof Heiner und Sigmar Gabriel stellen sich Schülerfragen

Heiner und Sigmar KIZ  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stellen sich den Schülerfragen zu Europa: Bischof Heiner Wilmer (links) und der SPD-Politiker Sigmar Gabriel (rechts). Moderator ist Konstantin Gerbrich (mitte) von „Pulse of Europe Hildesheim“. | Foto: Deppe


Die Hildesheimer Gruppe von „Pulse of Europe“ und das Bistum Hildesheim hatten Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe der Gymnasien Marienschule und Josephinum zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Gäste auf dem Podium waren Bischof Dr. Heiner Wilmer und der SPD-Bundestagsabgeordnete Sigmar Gabriel.


Es war mucksmäuschenstill im Foyer des Bischöflichen Gymnasiums Josephinum. Über 200 Schülerinnen und Schüler der beiden Hildesheimer katholischen Gymnasien folgen den Statements von Bischof Heiner Wilmer und Sigmar Gabriel.
So erzählte Bischof Heiner sehr persönlich aus seiner Familie, vom ewigen Feindbild „Frankreich“, von den Kriegen, in denen auch Familienmitglieder gekämpft haben und getötet wurden. „Mein Vater konte sich anfangs gar nicht vorstellen, dass ich von Paris, von Frankreich und seinen Menschen begeistert war“, erzählte Wilmer, der längere Zeit in Paris verbracht hat. Aber der Bischof wies auch darauf hin, dass die einstigen Feinde schon wenige Jahre nach dem Krieg den Grundstein für das heutige Europa legten „und zwar auf der Basis der katholischen Soziallehre“, betonte der Bischof. Für ihn ist Europa das größte Friedensprojekt des christlichen Abendlandes. „Wir leben zum ersten Mal in einer Phase, in der wir so lange Frieden haben“, sagte er. Dies habe man dem geeinten Europa zu verdanken.
Wilmer forderte einen stärkeren Einsatz der Kirchen für ein gemeinsames Europa und rief dazu auf, am 26. Mai zur Europawahl zu gehen. Gerade die jüdisch-christlichen Wurzeln Europas rechtfertigten ein Engagement der Kirchen, so der Bischof. Sie dürften sich manchmal „vielleicht sogar noch stärker“ als bisher einmischen.

Einer allein kann Europa nicht retten
In Papst Franziskus sieht Wilmer in diesem Zusammenhang eine wichtige Stimme. Allerdings könne er allein nicht viel bewirken, sondern nur im Zusammenspiel mit anderen gesellschaftlichen Akteuren. Die junge Generation bezeichnete der frühere Schulleiter als einen „wichtigen Schlüssel“. Aber auch sie sei nur eine Gruppe von vielen.
Auch der frühere Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) würdigte die Friedensanstrengungen der europäischen Gemeinschaft. „In weniger als einer Generation sind wir vom Völkermord in Auschwitz zu den Verträgen von Maastricht gekommen“, sagte der Bundestagsabgeordnete.
Seinen Worten nach sollte sich Europa auf die Umsetzung gemeinsamer Ziele konzentrieren, statt sich in „kleinkarierten“ Debatten über den Brexit oder wachsenden Populismus zu verlieren. Nur so könne sich die Europäische Union gegen globale Akteure wie die USA und China behaupten. „In der Welt, auf die wir zukommen, wird es sehr darauf ankommen, dass wir in Europa gemeinsam auftreten“, sagte Gabriel. Eine Debatte über den Brexit dagegen, lasse Europa in den Augen anderer Länder als schwach erscheinen.
In seinem Eingangsstatement zitierte der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident Gabriel den früheren Hildesheimer Bischof Dr. Josef Homeyer. Dieser habe nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gesagt, wer den Ausbruch von Gewalt wirklich bekämpfen wolle, müsse Gerechtigkeit für alle erreichen. Diese Aussage habe ihn in seiner Kürze und Klarheit beeindruckt.
Gabriel machte aber deutlich, dass es kein Europa nach deutschem Vorbild geben könne, denn in der Europäischen Union hätten alle gleiche Rechte. „Da kann nicht einer alles allein bestimmen wollen“, so Gabriel.

Keine Sorgen um die Zukunft Europas
Vorab konnten die Schülerinnen und Schüler Fragen formulieren, die Moderator Konstantin Gerbrich abwechselnd Wilmer und Gabriel stellte. Da ging es um Waffenexporte, das Zusammenleben in Europa oder auch den wachsenden Nationalismus. Wilmer und Gabriel standen den Jugendlichen Rede und Antwort.
„Kann die Jugend Europa retten?“, unter diesem Motto stand die Veranstaltung und sowohl Wilmer, als auch Gabriel sind der Meinung, dass die Jugend dazu beitragen kann. „Wenn ich mir diese Jugendlichen anschaue, wie interessiert sie heute dabei waren, dann brauche ich mir um die Zukunft Europas keine Sorgen zu machen“, lautete das Fazit von Gabriel.


Einen Video-Clip zur Diskussionsveranstaltung über Europa gibt es auf der Homepage des Bistums Hildesheim unter: www.bistum-hildesheim.de

Edmund Deppe