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Das Bischöfliche Gymnasium Josephinum

Domhof 7 - 31134 Hildesheim - Tel: 05121-1795-0 - Mail: buero@gymnasium-josephinum.de

1200 Jahre Schule am Dom

Dienstag, 07. Mai 2019 13:43

HAZ vom 7.05.2019: „Das größte Friedensprojekt des Abendlandes“

Heiner und Sigmar HAZ HP 2
Sigmar Gabriel (von links), Heiner Wilmer und Konstantin Gerbrich diskutieren im Josephinum.
FOTOS: CHRIS GOSSMANN

Sigmar Gabriel und Bischof Heiner Wilmer diskutieren über Europa

Von Christian Harborth


Hildesheim - Mehr als ein paar Minuten braucht der ehemalige Vizekanzler und SPD-Vorsitzende nicht, um seine jungen Zuhörer im Josephinum vor den Kopf zu stoßen. „Ich muss hier doch nicht den Alleinunterhalter machen“, grantelt Sigmar Gabriel in Richtung Schüler. „Sie müssen sich doch selbst fragen, wie Sie sich ihre Zukunft vorstellen.“

Hunderte Elftklässler des Bischöflichen Gymnasiums und der nahen Marienschule haben in der Aula Platz genommen, um zu hören, was Gabriel und Bischof Heiner Wilmer zum Thema Europa zu sagen haben. „Kann die Jugend Europa retten?“ lautet das Thema des Vormittags, und Moderator Konstantin Gerbrich von der proeuropäischen Initiative „Pulse of Europe“ bemüht sich nach Kräften, Struktur in die Veranstaltung zu bekommen, die der nahenden Europawahl Wähler bringen soll.

Aber das mit der Struktur ist nicht so einfach: Wegen eines Bandscheibenvorfalls kommt der populäre Bundespolitiker 30 Minuten zu spät. Wilmer, Gerbrich und Hausherr Benno Haunhorst müssen den Vormittag zunächst allein bestreiten. Und als Gabriel schließlich eintrifft, wird es auch nicht einfacher. Einen begnadeten Rhetoriker wie den 59-Jährigen zu bremsen, ist kompliziert. Lässt man ihn von der Leine, kann er – vor allem dann, wenn er wie Gabriel nicht im Wahlkampfmodus ist – auch mal tüchtig lospoltern.

„Demokratie ist nicht das Versprechen auf Fehlerfreiheit“

Im Fall der „Alleinunterhalter-Frage“ kontert Gabriel aber lediglich eine provokante Frage: „Warum ist die Wahlbeteiligung bei jungen Leuten derzeit so gering“, hatte Moderator Gerbrich den braun gebrannten Bundestagsabgeordneten gefragt. „Das müssen Sie schon selbst beantworten“, spielte Gabriel den Ball zurück. „Warum sollte ich mir dazu Gedanken machen?“

Bierernst sind diese Aussagen selbstredend nicht gemeint. Natürlich macht sich jemand wie Gabriel über das Wahlverhalten junger Menschen Gedanken. Aber der Goslarer ist eben auch dafür bekannt, dass er gern provoziert. Und dass er ein schwieriger Gesprächspartner sein kann. Und darüber hinaus immer auch ein glühender Verfechter für Demokratie. „Demokratie ist nicht das Versprechen auf Fehlerfreiheit“, sagt er etwa. „Aber das Versprechen, Fehler gewaltfrei korrigieren zu können.“

Im Vergleich dazu kommt der Bischof am Montag lammfromm daher. Er erzählt – auch anhand persönlicher Geschichten –, wie sich Europa von einem Gebiet des Krieges zu einem des Friedens entwickelt hat. „Europa ist für mich das größte Friedensprojekt des Abendlandes.“ Und er fordert die jungen Menschen dazu auf, selbst etwas dafür zu tun, dass dies auch so bleibt.

„Schon Immanuel Kant hat gesagt, dass Frieden nicht der Normalzustand ist“, sagt Wilmer. „Frieden ist immer das Ergebnis von Mut und Courage.“ Dazu gehöre es auch, am 26. Mai wählen zu gehen. „Vor allem, um wachsender Radikalität und noch mehr Verunglimpfungen vorzubeugen.“

Das erhofft sich auch Gabriel. Er skizziert den steilen Aufstieg Europas nach den beiden Weltkriegen. „In weniger als einer Generation haben wir es geschafft, von erbitterterer Feindschaft zu Freundschaft zu gelangen, von Auschwitz zu den Verträgen von Maastricht.“ Aber inzwischen verändere sich die Welt dramatisch. Amerika ziehe sich zurück, China dränge nach vorn, Afrika werde seine Bevölkerungszahl im nächsten Jahrzehnt verdoppeln. „Und wir stellen jetzt fest, dass alles nicht mehr so einfach ist wie früher.“

                                                                 
 
 

„Wenn Ihnen jemand mit einfachen
Antworten kommt –
der beschwindelt Sie.“



Sigmar Gabriel, ehemaliger Vizekanzler
                               Heiner und Sigmar ohne Heiner