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Das Bischöfliche Gymnasium Josephinum

Domhof 7 - 31134 Hildesheim - Tel: 05121-1795-0 - Mail: buero@gymnasium-josephinum.de

1200 Jahre Schule am Dom

17. Februar 2018

HAZ vom 17.02.2018: Herr Schreckenberg und die 13.500 Bücher

Josephinerbibliothek

Christoph Schreckenberg kämpft sich in der Dombibliothek durch 13.500 Bände Jesuiten-Nachlass. Der stand im Josephinum, ehe die Nazis ihn 1943 aus der Schule verbannten. Schreckenbergs Ziel: den bis zu 600 Jahre alten Schatz für kommende Generationen zu sichern. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Text: Christian Harborth / Fotos: Chris Gossmann



Christoph Schreckenberg klappt den Deckel eines hunderte Jahre alten Buchs auf und erstarrt. Jemand hat die Titelseite herausgerissen. Das kann gestern gewesen sein. Oder vor300 Jahren. Schreckenberg weiß es nicht. Er spricht es nicht aus. Aber für Bibliothekare wie ihn ist das eine Sünde. Man raubt Büchern ihre Identität und vergreift sich gleichzeitig an einem Kulturgut, das der Allgemeinheit gehört. Das ließe sich auch wunderbar mit einer Schimpfkanonade begleiten. Aber Schreckenberg ist ein feinsinniger Mensch. Niemand, der zu Worten voller Kraftmeierei neigt. Also schluckt er sein Unverständnis und seinen Ärger hinunter, rückt die randlose Brille auf der Nase zurecht und beginnt mit der Arbeit.

Der 58-Jährige ist Mitarbeiter der Hildesheimer Dombibliothek. Sein Büro im ersten Stock des Gebäudes am Domhof ist vergleichsweise schlicht. Aber was der studierte Historiker und gelernte Bibliothekar mit den kurzen weißen Haaren aus den Tiefen des Gebäudes holt und vor sich auf dem Tischausbreitet, hat es in sich. Schreckenberg sichtet und katalogisiert den gesamten Jesuiten-Bestand, den die Ordensbrüder einst im heutigen Josephinum sammelten.

Dieser Ort war über mehr als 1100 Jahre eine Stätte der Bildung und damit auch der Bücher. Erst die Nazis durchbrachen diese Tradition. Sie machten das Josephinum 1942 zur Volksschule. Über Jahrhunderte erworbenes Wissen bedeutete ihnen nichts. „Die Altbestände empfanden sie als Last“, sagt die Leiterin der Dombibliothek, Monika Suchan. Die Nazis warfen die Bücher der Jesuiten aus der Schule. Der ehemalige Reichstagsabgeordnete Joseph Kuckhoff, der vor den Bomben aus Köln nach Hildesheim geflohen war, transportierte sie vorausschauend in die Kirche St. Hadrian und Dionysius nach Lamspringe. Dort überdauerten sie viele Jahrzehnte. Erst in den 1990er-Jahren brachte man sie zurück zum Domhof. Seit fast zwei Jahren ist Schreckenberg nun dabei, den Schatz der Vergangenheit zu heben.

Im Magazin der Dombibliothek lagern direkt unter dem Lesesaal mehr als 100.000 Bände. Etwa 13.500 von ihnen stammen aus der ehemaligen Domschule. „Das ist ein süßer Brei“, sagt der Historiker und beugt sich über ein ausgeblichenes Exemplar. Generationen von Lesern haben den Einband über die Jahrhunderte hinwegabgeschliffen.

JosephinerbibliothekarMehr als 5000 Bände hat Schreckenberg bereits katalogisiert. Die meisten, fast 2900, stammen aus dem 17. Jahrhundert. Aber die Funde gehen mitunter deutlich weiter zurück. Allein 400 der bereits gesichteten wurden im 15.Jahrhundert geschrieben – und damit im ausgehenden Mittelalter. Aber es sind noch ältere dabei. Zum Beispiele eine Psalm-Handschrift aus dem 13. Jahrhundert. Schreckenberg weiß bereits, dass es sie gibt. Aber er hat sich noch nicht näher mit ihr beschäftigt. Heute gehört Buchdruck zumStandard. Doch im15. Jahrhundert glich er einer kleinen Sensation: Johannes Gutenberg hatte das Druckverfahren erst Mitte des 15. Jahrhunderts erfunden. Vorher mussten alle Bücher per Hand vervielfältigt werden.

Jedes alte Buch kann eine Sensation bergen. „Jede Kleinigkeit ist interessant“, sagt Schreckenberg. Sogar die Sammlung Programmhefte, die er jetzt zur Hand nimmt. Die Jesuiten, die bis ins 18.Jahrhundert am Domhof forschten, unterhielten eine Theatergruppe, die mehrmals im Jahr Stücke aufführte. Was sie gaben und welcher Ordensbruder in welcher Rolle zu sehen war, kündigten sie schon damals auf Zetteln an. 160 davon ließen sie irgendwann zu einem Band binden, den Schreckenberg jetzt aus dem Regal zieht. „Das ist etwas sehr Besonderes“, sagt er. Man wird sehr weit reisen müssen, um auf der Welt auf eine vergleichbare Sammlung zu stoßen. Die weltweit renommierte Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel etwa besitze eine Sammlung, die gerade einmal 29 Programmhefte umfasse.

Die Zahl der Bände sagt nichts über die Zahl der darin enthaltenen Bücher aus. Wer es sich leisten konnte, ließ früher Bücher zu Bänden binden. Bücher glichen zu manchen Zeiten eher grob miteinander verbundenen Seiten – jedenfalls nach heutiger Vorstellung. Erst gebunden bekamen sie einen festen Einband. Im deutschsprachigen Raum in der Regel einen hellen aus Schweinsleder und einen kunstvollen Stempel auf der Vorderseite. Die Bände spiegeln heute die Interessengebiete ihrer ehemaligen Besitzer wider. Schreckenberg stößt in ein und demselben Band auf Werke über Theologie, Mathematik, Geografie und Pflanzenkunde, die ohne viel Federlesens – und ohne roten Faden – miteinander verbunden wurden.

Schreckenberg sitzt an seinem Schreibtisch und schaut auf die Stelle, die einmal eine Titelseite beherbergte. Früher wäre die Arbeit jetzt wohl meist beendet gewesen. Ein Buch ohne die Namen des Werkes und des Autors, ohne Verlagsort und Datum war wissenschaftlich gesehen nahezu bedeutungslos.

"Jedes alte Buch kann eine Sensation bergen."
Christoph Schreckenberg, Mitarbeiter der Dombibliothek


Doch das hat sich mit Computern und der modernen Form der Katalogisierung geändert. Schreckenberg macht sich auf die Suche nach dem Fingerprint des Buchs, eine Art Geheimsprache im Bibliothekswesen, um alte Drucke zu identifizieren. Auf vorgegebenen Seiten werden Buchstaben an vorgegebenen Stellen ausgewählt. Weil viele Millionen Möglichkeiten existieren, ist der Fingerprint eine Art Unikat: Hat irgendwo auf der Welt jemand dieses Buch erfasst, lässt es sich über Datensammlungen und die dortigen Fingerprints ausfindig machen.

Schreckenberg notiert die letzten beiden Buchstaben der letzten beiden Zeilen von Seite 13 und öffnet die Seite einer italienischen Bibliothek. „Die sind sehr gut“, sagt er und landet auf Anhieb einen Treffer. Das Systemnennt ihm nach wenigen Sekunden das 1581 in Leipzig erschienene „Handbuch der Theologie“. Autor: der im Jahr 1600 in Tübingen verstorbene Reformator Jacob Heerbrand.

Das allein hilft Schreckenberg noch nicht sonderlich weiter. Aber der Bibliothekar, der das Werk einst in Halle an der Saale erfasst hat, hat auch Bilder eingescannt. Der 58Jährige öffnet sie nacheinander und vergleicht sie mit dem Buch in seiner Hand. „Sie sind identisch“, sagt er.

Er schreibt die Daten in den Katalog der Dombibliothek, notiert mit einem dünnen Bleistift „3J5822“ vorne in das Buch und legt es neben sich. Die Hauptarbeit ist getan. Das „J“ in der neuen Signatur steht für Josephinum. 5822 ist die fortlaufende Nummer. Sie zeigt, wie weit sich der Bibliothekar bereits vorangearbeitet hat. Schreckenberg hat die Arbeit am Jesuiten-Nachlass im Januar 2016 aufgenommen. Wenn alles reibungslos verläuft, will er in sechs bis sieben Jahren fertig sein. Dann will er in den Ruhestand gehen. Läuft alles nach Plan, wird er an seinem letzten Tag eine Zahl niederschreiben, die sich irgendwo in der Nähe der 13.500 bewegt.

Bis es soweit ist, liegen noch viele Bände vor ihm. Schreckenberg ist ledig und kinderlos. Jeden Tag kommt er mit dem Zug aus Wolfenbüttel zur Arbeit. Man könnte meinen, dass jemand, der den Tag über Texte auf Lateinisch, Althochdeutsch, mitunter sogar Französisch oder Italienisch liest, am Abend kein Buch mehr in die Hand nimmt. Aber weit gefehlt: „Ich lese gern“, sagt er. Am liebsten Biografien – derzeit eine über die Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff.

Wenn Schreckenberg die Arbeit im Büro abgeschlossen hat, müssen die Bände zurück ins Magazin. Der Fahrstuhl bringt den 58-Jährigen direkt in den Bauch der Bibliothek. Er geht an einer langen Reihe Regale entlang. Irgendwo in den Tiefen des Magazins brummt ein Entfeuchter leise vor sich hin. Die Bücher stehen in der Dombibliothek im Trockenen. Das war über Jahrzehnte anders. Während der Auslagerung in Lamspringe waren sie eher kalt und feucht gelagert. Das sieht man einigen der Bücher auch deutlich an. „Manche weisen Feuchtigkeitsschäden auf“, sagt Schreckenberg. Andererseits: Gemessen an den Jahrhunderten, die viele von ihnen schon auf dem Buckel haben, ist ihr Zustand durchaus gut. Und: Wenn ein beherzter Lehrer sie1943 nicht nach Lamspringe gebracht hätte, hätten die Nazis sie womöglich auf dem Domhof noch angezündet.

An Regal Nummer 16 bleibt Schreckenberg stehen. Bis hier sind alle Bände erfasst. Sein Blick wandert über15 weitere Regale, die sich allesamt unterirdisch an der schmalen Verbindungsstraße befinden, die zum Dom führt. Die meisten Regale sind abgearbeitet–und trotzdem liegt der größte Brocken noch vor dem Bibliothekar? Wie passt das zusammen?

Für die Beantwortung reicht ein Blick: Unter den erledigten Werken sind viele gigantische Schwergewichte, die mehrere Kilogramm auf die Waage bringen. Auf der anderen Seite warten noch sehr viele eher kleinere Bücher auf den Experten. Wobei in der letzten Reihe einige Bücherzusehen sind, die wohl nie mehr zu alter Form finden werden. „Das ist unsere schlimme Ecke“, sagt Bibliotheksleiterin Suchan. Hier lagern Exemplare, die zu feucht geworden sind, an denen Tiere nagten oder Menschen rissen. Trotzdem sind sie Teil des Kulturguts, Teil der Hildesheimer Geschichte. Deshalb will sich Schreckenberg noch mit ihnen beschäftigen. Weil sie Teil seines „süßen Breis“ sind. „Wegwerfen darf man sie jedenfalls nicht“, sagt er.

13. Februar 2018

HAZ vom 13.2.2017: Venedig-Flair zum Rosenmontag

Kunstprojekt des Josephinums erstaunt Fußgänger am Hohen Weg

Von Martina Prante

Karneval Kunstprojekt HAZ 2   Karneval Kunstprojekt HAZ

Den Huckup im Nacken: Am Rosenmontag wagen sich die Siebtklässler des Josephinums mit selbst gebastelten Masken in die Fußgängerzone. Lion Teiwes als Fotograf hat seine Masken-Gruppe vor der Jakobikirche positioniert.  FOTOS: MORAS


Hildesheim
- Sehr, sehr schön“, lobt eine Frau den kleinen Trupp maskierter junger Menschen, die ihr Montag Vormittag in der Fußgängerzone entgegenkommen. Sie bleibt sogar stehen und fragt nach, wie die Masken entstanden sind. „Mit ganz viel Kleister und Papier nach Vorlage venezianischer Masken“, erklärt Gloria Fröbrich mit blitzenden Augen. Ihr Kunstwerk beeindruckt durch eine lange spitze Nase: „Der Schlaumeier Nano“, erklärt Kunstlehrerin Angelika Gehler, die für die Aktion verantwortlich ist. Dass Charlotte Hessing Klavier spielt, verdeutlichen die Noten auf ihrer Maske. Und Aurora Bolthausen hat Legosteine aufgeklebt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Immerhin ist Fasching und Rosenmontag, erklärt die zwölfjährige Karolin Pham lächelnd und weist auf die Mitschüler, die in ihren schwarzen Umhängen, Kapuzen und den bunten Masken perfekt nach Venedig passen. Kunstlehrerin Gehler hat sich die Aktion zum Schwerpunktthema Menschen und Inszenierung und Fotografie ausgedacht. Außerdem war Montag Methodentag, beschreibt sie die Vorgehensweise: „Die Schüler sollen lernen, selbstständig vorzugehen.“

Und so ziehen die Maskenträger schweigend voran, von Protokollantin und Fotograf begleitet. Sie sollen beobachten und aufschreiben, was ihnen auffällt. Außerdem müssen Fotos gemacht werden: inszenierte und spontane. Die Maskenträger wiederum sollen später einen inneren Monolog formulieren, wie es ihnen – unerkannt – ergangen ist. Diese Aufgaben soll jede Gruppe in einem kleinen Buch zusammenfassen, das Angelika Gehler zensiert.

Die anfangs zitierte freundliche Dame bleibt allerdings bei dieser Aktion die Ausnahme: „Alle schauen. Manche auch weg, wenn sie die Kamera sehen“, stellt Cora Schmelzer fest. Aber die jungen Performer sollen die Passanten nicht ansprechen. Also dirigiert Cora ihre Gruppe in Richtung Arneken-Galerie – nicht zuletzt, weil es drinnen wärmer ist. Aber dort ist die Jungengruppe gerade rausgeschickt worden: „Wir dürfen da nicht fotografieren“, zeigt sich Lion Teiwes enttäuscht.

Also zurück zur Jakobikirche, wo der Zwölfjährige seine Maskenträger für das inszenierte Foto in Position bringt. Kunstlehrerin Gehler weist ihre Schüler noch einmal auf den Handspiegel hin, den sie den Passanten nach dem Motto „Erkenne Dich selbst“ vorhalten sollen. „Den krieg ich aber nicht raus“, weist Aurora auf ihre eingeschnürte Hand. Angelika Gehler befreit sie und damit den Spiegel. Und der wandert flugs vor Auroras Gesicht. „Erstmal schauen, wie ich aussehe“, lacht sie.

06. Februar 2018

HAZ vom 13.01.2018: Lykka hofft auf einen Platz im Josephinum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufgeräumt ins neue Schuljahr:
Die zehnjährige Lykka an ihrem Schreibtisch in der Oststadt. Foto: Kaiser

   Lykka

 

Rund 9000 Mädchen und Jungen besuchen derzeit eine Grundschule in Stadt und Landkreis Hildesheim. 2346 von ihnen wollen nach den Sommerferien auf eine weiterführende Schule wechseln. Eine spannende Zeit für die Kinder und ihre Eltern. Die zehnjährige Lykka aus der Oststadt würde vom Sommer an gern das Josephinum besuchen. Aber dafür müssen vor allem die Noten stimmen.

Von Christian Harborth

Die Entenklasse der Elisabethschule ist aus den Weih­nachtsferien zu­rück. Klassenlehrer Hannes Elfers will herausfinden, welcher Unterrichtsstoff des ver­gangenen Jahres bei den Mäd­chen und Jungen der 4 A im Ge­dächtnis gebheben ist. Er hängt einen Zeitstrahl an die Tafel, der mit der Geburt Christi beginnt. „Wann fing das Mittelalter an?", fragt Elfers. Jede Menge Arme schnellen in die Höhe.
Einer der Arme gehört Lykka. Die Zehnjährige wohnt mit ihrer Familie in der Oststadt. Bis zur Grundschule braucht sie nicht mehr als ein paar Minuten zu Fuß. Zumindest das wird sich vom Sommer an ändern. Lykka gehört zu den 2346 Viertklässlern in Stadt und Landkreis Hildesheim, die nach den großen Ferien auf eine weiterführende Schule wechseln wollen.
Natürlich wird das nicht bei al­len klappen. Dutzende werden auch wiederholen müssen, weil ihre Leistungen noch nicht für einen Sprung zur Haupt- oder Realschule oder auf ein Gymna­sium ausreichen. Doch Lykka ist davon nicht betroffen. „Sie ist eine gute Schülerin", sagt Klas­senlehrer Elfers. Eine Empfeh­lung kommt ihm nicht über die Lippen - schließlich hat das Land Niedersachsen die sogenannte Schullaufbahnempfehlung im Jahr 2015 abgeschafft. An ihre Stelle sind Beratungsgespräche getreten, in denen die Grund­schullehrer den Eltern helfen, die passende Schule zu finden.
Lykkas Eltern glauben, dass sie sie bereits gefunden haben. „Wir würden uns freuen, wenn unsere Tochter nach den Som­merferien auf das Josephinum wechseln kann", sagt Lykkas Mutter Melanie Kröger. Sie ist selbst Grundschullehrerin und unterrichtet an der Hohnsen­schule. Sie und ihr Mann haben Tochter Lykka trotzdem selbst entscheiden lassen. Sie haben gemeinsam einige Schnupperta­ge besucht, zuhause Gespräche über den anstehenden Wechsel geführt - und am Ende der Zehnjährigen das letzte Wort gelassen.
Natürlich spielt auch Lasse eine große Rolle. Der 14-Jährige ist Lykkas älterer Bruder. Und er hat den Sprung zum Josephinum schon hinter sich. Lasse besucht heute eine achte Klasse von Hil­desheims ältester Schule. Lasse schwärmt in höchsten Tönen von dem Gymnasium. Die einmalige Lage, der tolle Tischtennishof, die netten Lehrer - seine Erzählun­gen haben auf seine Schwester gewirkt.
Gute Noten im Zeugnis, ein Bruder, der schon Klasse acht be­sucht - ist die Zehnjährige damit schon so gut wie angenommen am Domhof? „Wenn sich ein Ge­schwisterkind bewirbt, beeinflusst das unsere Entscheidung schon sehr stark", sagt Schullei­ter Benno Haunhorst. „Man hat dann einen Pluspunkt, aber eine Garantie gibt es deswegen nicht."
Das Josephinum zählt zu einer sehr beliebten Schule im Raum Hildesheim. Wie beim Andreanum oder der Robert-Bosch-Ge­samtschule wollen seit vielen Jahren mehr Viertklässler hier unterkommen, als freie Plätze vorhanden sind. Das führt dazu, dass auch Schüler abgelehnt werden müssen. Diese landen am Ende an einer anderen Schule.
Familie Kröger bleibt trotzdem gelassen. Sie hat sich auch das Andreanum angeschaut und ist zu einem Infotag in die Albertus-Magnus-Schule gegangen. Die Leistungen von Lykka weisen zwar eindeutig in Richtung Gym­nasium, aber den Besuch einer Realschule wollte die Familie aus der Oststadt trotzdem nicht im Voraus ausschließen. „Ich hätte kein Problem damit, wenn meine Tochter eine Realschule oder die RBG besuchen würde", sagt Mut­ter Melanie, die einst am Gymna­sium Himmelsthür das Abitur ab­gelegt hat.
„Was ist die RBG?", fragt Lyk­ka und rollt mit den Augen. Sie hat noch nie von Hildesheims derzeit beliebtester Schule, der Robert-Bosch-Gesamtschule in der Nordstadt, gehört. Für sie steht ohnehin fest, dass es das Josephinum werden wird. Dann könnte sie morgens zusammen mit Lasse aufs Fahrrad springen. Der 14-Jährige radelt bei Wind und Wetter. „Ich brauche sechs bis sieben Minuten", sagt er.
Lykka kommt aus dem Schwe­dischen und heißt übersetzt Glück. Wenn Lykka Glück hat, kann sie nach den Sommerferien mitradeln.

12. Dezember 2017

HAZ vom 12.12.2017: Durchkreuzt Trump die Jerusalem-Pläne des Josephinums?

Jerusalem   Jerusalem Rom

2014 reisten die Josephiner nach Rom, Pfingsten wollen sie nach Jerusalem pilgern, um unter anderem die dortige Altstadt zu besuchen (Foto). Aber die derzeitige Eskalation in Israel könnte die geplante Reise noch kippen. / Foto: dpa / Hartmann (HAZ)

   

Hildesheim/Jerusalem - Viele Hildesheimer blicken derzeit sorgenvoll nach Israel. Seitdem US-Präsident Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hat und ankündigt, die Botschaft dorthin verlegen zu wollen, flammt in der arabischen Welt die Gewalt wieder auf.
Das beobachtet man vor allem am Josephinum sehr genau. Die Abiturprüfungskurse Katholische und Evangelische Religion wollen Pfingsten zu einer Pilgerfahrt nach Jerusalem aufbrechen. „Im Moment planen wir noch ganz normal weiter“, sagt Schulleiter Benno Haunhorst, der ebenfalls mitreisen will. „Aber natürlich haben wir kein Interesse daran, in ein Pulverfass zu fahren.“ Doch genau damit muss man derzeit rund um Jerusalem rechnen. Die radikalislamische Hamas fordert einen neuen Aufstand. Schon jetzt gibt es mehrere Todesopfer und hunderte Verletzte.
„Wir schauen uns genau an, welche Hinweise das Auswärtige Amt jetzt gibt“, sagt Haunhorst. Die Behörde hat ihre Reise- und Sicherheitshinweise für Israel gerade vor fünf Tagen verschärft. „In Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gaza-Streifen kommt es zu Demonstrationen und teils gewalttätigen Ausschreitungen im Zusammenhang mit der Erklärung der US-amerikanischen Regierung vom 6. Dezember 2017 zum Status von Jerusalem“, heißt es dort. Es sei mit zahlreichen Demonstrationen und Ausschreitungen zu rechnen. „Bei Aufenthalten in Jerusalem wird zu verstärkter Vorsicht geraten.“

Am Josephinum bleibt man gelassen – sorgt aber vor

In Jerusalem wollen auch die Josephiner Quartier beziehen. Die Gruppe hat sich in einem Benediktinerkloster am Rande der Altstadt eingemietet. Von dort ist es nicht weit bis zu den Sehenswürdigkeiten und religiösen Gedenkstätten der drei Weltreligionen wie dem Felsendom, der Al-Aqsa-Moschee und der Klagemauer.
Genau hier hatte es während der beiden ersten Intifadas aber jede Menge Gewalt gegeben. Und das Auswärtige Amt rät bereits: „Bei unvermeidbaren Aufenthalten wird zu besonderer Vorsicht geraten, insbesondere am Damaskustor und den übrigen Altstadttoren sowie in den angrenzenden Stadtvierteln. In diesen Gebieten kann es wie in der Vergangenheit jederzeit zu gewaltsamen Ausschreitungen kommen.“ Reisende sollten Menschenansammlungen weiträumig meiden und den Anweisungen von lokalen Sicherheitskräften Folge leisten.
Am Josephinum bleibt man noch gelassen – sorgt aber gleichzeitig vor. Die Unterkunft bei den Benediktinern können wir jederzeit ohne Kosten absagen“, erklärt Haunhorst. Für die Lufthansa-Flüge werde man eine Reiserücktrittsversicherung abschließen.
„Politisch ist es eine Katastrophe, was Donald Trump dort gerade macht“, sagt Haunhorst. Er glaube trotzdem nicht, dass der Aufstand so schlimm wird wie die zwei bisherigen. Und falls doch? „Dann müssen wir unsere Pilgerfahrt absagen.“