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Das Bischöfliche Gymnasium Josephinum

Domhof 7 - 31134 Hildesheim - Tel: 05121-1795-0 - Mail: buero@gymnasium-josephinum.de

1200 Jahre Schule am Dom

26. Juli 2018

HAZ vom 20.06.2018: Ehemalige Josephinerin wartet mit der „Lifeline“ auf Malta

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neeske Beckmann, mit dem Schlauchboot unterwegs zu einem Seenotrettungsschiff vor Malta. / Foto: DPA

 

Neeske Beckmann

 

Valetta / Hildesheim - Das Schiff sei einsatzbereit. „Ein paar Seemeilen weiter ertrinken Menschen. Man lässt sie absichtlich ertrinken, indem man uns mit Vorwänden festhält.“ Die Crew sehe das als politischen Prozess, hinter dem die Abschottungspolitik Europas stehe.

Die Lifeline-Besatzung besteht aus knapp zwanzig Freiwilligen, die Jüngsten sind keine 20 Jahre alt, der Älteste über 70. Manche haben den Job gekündigt, ihr Studium unterbrochen, andere Urlaub genommen. Sie heuerten an, um Menschen vorm Ertrinken zu retten. Menschen, die sich mit hochseeuntauglichen Booten von Afrika auf den Weg nach Europa gemacht haben.

Für Neeske Beckmann, die gerade ihr Psychologie-Studium abgeschlossen hat, ist es die zweite Mission. Im Frühjahr war die Hildesheimerin mit der Sea-eye vor Libyens Küste unterwegs. Die See war rau, der Wind drückte die Schlauchboote zurück. „Einmal hatten wir einen Notruf vom MRCC aus Rom, dass ein Boot in unmittelbarer Nähe in Seenot ist“, erzählt sie. Das MRCC ist eine Koordinierungsstelle für Seenotrettung. Als die Sea-eye ankam, hatte die libysche Küstenwache die Menschen bereits geborgen und das Boot zerstört. „Wir konnten nur zugucken, wie sie zurück nach Libyen gebracht wurden, obwohl das gegen internationales Seerecht verstößt“, berichtet Beckmann.

Laut Seerecht müssen Menschen in Seenot in den nächsten sicheren Hafen gebracht werden. „In Libyen erwarten sie Gewalt, Vergewaltigung und Versklavung“, begründet Beckmann, warum Libyen nicht als sicher eingestuft ist. „Danach war klar, dass ich wiederkomme. Was hier passiert, lässt mich seitdem nicht mehr los.“

Nur schwer ertragen die Freiwilligen, dass ihr Schiff im Hafen festliegt. Nach dem letzten Einsatz haben sie das Schiff geschrubbt, Decken und Schwimmwesten gewaschen, desinfiziert. Während Beckmann gekommen ist, um im Rettungsboot die Menschen in Seenot anzusprechen, arbeitet sie nun im Büro unter Deck. Immer wieder kommen Fragen, wie man helfen könne. Die Hildesheimerin hat mit den anderen einen Katalog erarbeitet: Geldspenden, Freiwillige, Leute, die zu Hause Protest organisieren. Den Film über das vor einem Jahr festgesetzte Rettungsschiff Juventa in die Kinos bringen. Kontakt zu den Kirchen halten. Viel Zuspruch kommt von der überwiegend katholischen Bevölkerung Maltas. Von unheimlich schönen Begegnungen berichtet Neeske Beckmann, die auch mit den Organisatoren der Seebrücke zu Hause in Verbindung steht. Wohlwollend hat sie registriert, dass Menschen europaweit gegen die Behinderung der Seenotretter protestieren.

06. Juni 2018

Kirchenzeitung vom 5.06.2018: „Werner konnte wunderbar Gedichte rezitieren!“

Guy Stern berichtet über die Judenverfolgung unter der Naziherrschaft

Wohl noch nie war der Atem der Geschichte im Unterricht am Bischöflichen Gymnasium Josephinum so spürbar wie diesmal. In der Person von Professor Guy Stern kam die Geschichte der Judenverfolgung unter der Naziherrschaft direkt ins Klassenzimmer.

Schon oft hat Guy Stern, der gebürtige Hildesheimer und Ehrenbürger der Stadt, über sich und seine Flucht vor den Nazis erzählt. Doch diesmal steht nicht er im Mittelpunkt, sondern sein jüngerer Bruder Werner. Während Guy Stern, damals hieß er noch Günther, das Andreas-Realgymnasium besuchte (Vorläufer des Scharnhorst Gymnasiums), ging Werner zum Josephinum. „Dass wir nicht beide auf der gleichen Schule waren, lag an der Quotenregelung der Nazis. Jede Schule durfte nur eine gewisse Anzahl jüdischer Schüler aufnehmen. An meiner Schule war die Quote bereits erfüllt. Und so kam Werner aufs Josephinum“, erinnert sich der 96-jährige Stern.

Guy Stern      

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Guy Stern erzählt im Gymnasium Josephinum von sich und vor allem von seinem Bruder Werner. 
Fotos: Deppe


Während er selbst eher der sportliche Typ war, schildert Stern seinen Bruder als Feingeist. „Werner konnte wunderbar Gedichte rezitieren. Er war eher der Literat in unserer Familie und hätte später wahrscheinlich in diesem Bereich auf sich aufmerksam gemacht. Da bin ich mir ziemlich sicher.“
Mit 15 Jahren brachten die Eltern Günther nach Bremerhaven. Ein Onkel in St. Louis ermöglichte die Auswanderung in die USA. Eigentlich war das Ziel, dass der dynamische und sehr selbstständige Jugendliche von Amerika aus die Familie nachholen sollte. „Fast hätte es geklappt“, sagt Stern und bekommt auch heute noch feuchte Augen.

Guy Stern vor Schlern      

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Interessiert lauschen die Schülerinnen und Schüler dem Bericht von Guy Stern.

 

Die Schülerinnen und Schüler des Geschichtskurses von Lehrer Malte Lischke haben lange nach Werner Stern geforscht. Doch viel wissen sie nicht. Im Gegensatz zu anderen jüdischen Schülern gibt es kein Abgangszeugnis mehr. Deshalb war der Besuch, das mündliche Zeugnis seines Bruders wichtig. „Ich weiß, dass er im Schuljahr 37/38 auf dem Josephinum war. In einem Brief hat er mir geschrieben, wie er den Brand der Hildesheimer Synagoge erlebt hat. Dass er sich weinend auf dem Schulhof in eine Ecke zurückgezogen hat und ein Lehrer ihn nach Haus schickte.“ Stern glaubt, dass Werner noch ein weiteres Schuljahr auf dem Josephinum war, doch dafür gibt es keine Beweise mehr. 
Fest steht, dass die Familie Stern – Vater, Mutter, Bruder Werner und Schwester Eleonore im April 1942 nach Warschau ins Ghetto deportiert und im KZ Auschwitz von den Nazis ermordet wurden.
Guy Stern landete mit der Invasionsarmee in der Normandie, kam dann nach Deutschland, fuhr nach Hildesheim und forschte nach seiner Familie. „Ich kannte hier jede Ecke, jede Straße – doch nichts stand mehr. Fast alles war zerstört. Meine Familie war fort.“
Zurück in den Staaten nahm Guy Stern sein Studium auf, machte Karriere als Literaturwissenschaftler und setzte sich auf vielfältige Weise gegen das Vergessen der Naziverbrechen ein. Aber er hasste nicht, sondern machte sich stark für Versöhnung. Zahllose Schulbesuche hat er gemacht. „Und so lange ich kann, werde ich mich mit den jungen Menschen treffen und ihnen über die Zeit damals erzählen. Ich trage eine Verantwortung. Ich muss den jungen Menschen klar machen, wie wichtig Demokratie ist und dass so etwas wie damals nie wieder passieren darf.“
Im September werden die Josephiner einen Stolperstein vor ihrer Schule verlegen, der an ihren ehemaligen jüdischen Mitschüler Werner Stern erinnern soll.

Edmund Deppe

31. Mai 2018

HAZ vom 26.05.2018: Gleich zwei Preise beim Bundesfinale

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doppelt erfolgreich beim Bundesfinale: Dennis Kobert

 

Foto: "Jugend forscht"

   

 Dennis Kobert 2018


Hildesheim
- Dennis Kobert (17) vom Gymnasium Josephinum hat am Wochenende gleich zwei Preise beim Bundesfinale des Wettbewerbs „Jugend forscht“ in Darmstadt gewonnen. Zum einen wurde er Fünfter im Bereich Geo- und Raumwissenschaften, gehört also offiziell zu den Bundessiegern – denn nur die ersten Fünf werden ausgewiesen. Außerdem freut sich der 17-Jährige, der in Sillium wohnt, noch über einen Sonderpreis: Er nimmt an einem internationalen Wissenschaftsforum für Jugendliche in London teil, dem International Youth Science Forum. Und, als Sahnehäubchen, gab es auch noch eine Einladung zu einem Empfang bei der Kanzlerin obendrauf.

Obwohl, im Grunde war die gesamte viertägige Finalveranstaltung voller Sahnehäubchen, wie Arndt Latußeck berichtet, der Betreuungslehrer des Gymnasiasten. „Das ist ein fantastischer Erfolg“, sagte Latußeck, als die Redaktion ihn am Sonntag telefonisch während der Rückreise erreichte. Da kostete sein Schützling mit seinen Eltern noch das besondere Wochenende aus.

Auftritt von Max Giesinger

Am Samstagabend wurden in einer feierlichen Gala die Sonderpreise vergeben. Höhepunkt des Abends war ein Konzert mit Popstar Max Giesinger. Zur Bekanntgabe der Gewinner kam am Sonntag auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.
Insgesamt nahmen am Bundesfinale 182 Nachwuchsforscher teil – und ließen ihre Projekte von exzellenten Experten begutachten. So saß in der Jury, die Dennis Koberts „Untersuchung der dynamischen Stabilität offener Sternenhaufen“ bewertete, auch ein Vertreter eines renommierten Astronomie-Institutes. „Er beschäftigt sich den ganzen Tag mit Berechnungen, wie Dennis sie in seinem Projekt angestellt hat“, sagt der Lehrer, „die Projektarbeit kann also nicht so verkehrt gewesen sein.“
Das Josephinum war in den Vorjahren viermal hintereinander beim Bundesfinale vertreten. Für manchen Nachwuchsforscher ist die Veranstaltung schon zu einem Sprungbrett für eine spätere berufliche Karriere geworden. Firmen suchen nach Talenten, Visitenkarten werden verteilt, Kontakte geknüpft.

Künftiger Informatik-Student

Dennis Kobert will Informatik studieren und hat mit dem fünften Platz beim Bundeswettbewerb für künftige Bewerbungen auch einen Trumpf in der Hinterhand. Latußeck hat in den vergangenen Jahren indes immer wieder festgestellt, dass Jugend-forscht-Teilnehmer beim Weg durch die Wettbewerbs-Etappen bis hin zum Bundesfinale jeweils enorm an sozialer Kompetenz gewannen: Sie müssen bei Präsentationen ihre Projekte erläutern, stehen im Rampenlicht, sind gefragte Gesprächspartner. „Die Schüler wachsen durch diese Aufgaben", sagt Latußeck.
Inhaltlich klingt die Aufgabe, mit der sich der 17-Jährige befasste, knifflig. Die Stiftung Jugend forscht beschreibt sie so: „Wenn irgendwo im Weltraum die Dichte von Sternen besonders hoch ist, spricht man von Sternhaufen. Die Bahnverläufe der Sterne sind in diesem Fall besonders komplex, weil sich die Himmelskörper durch ihre Anziehungskräfte gegenseitig beeinflussen. Dennis Kobert entwickelte ein Computermodell, mit dem sich simulieren lässt, ob ein Sternhaufen stabil bleibt oder ob Sterne aus dem Verbund ausbrechen, was zu einem Kollaps des Sternhaufens führen kann.“
05. April 2018

HAZ vom 4. 04.2018: „Jugend forscht“: das Erfolgsmodell des Josephinums

Von CHRISTIAN HARBORTH

Jufo Harborth

Akribische Feinarbeit seit mehreren Jahren: Lena Wilke (von links), Julia Dierich und Ole Benstem schleifen das
Glas für einen Teleskopspiegel. / Foto: Harborth (HAZ)

Hildesheim - Wenn man Glas schleifen will, sollte man tunlichst auf Feile und Schmirgelpapier verzichten. Es sei denn, man legt Wert auf tiefe Kratzer, Riefen und andere Beschädigungen. Falls nicht, kann man zum Beispiel feines Pulver auf eine Granitplatte streuen, etwas reines Wasser dazu geben und das Glas anschließend auf dem harten Stein kreisen lassen, bis sich der gewünschte Erfolg einstellt. Der Vorteil dabei: Der Abrieb ist so gering, dass man das Glas nahezu perfekt bearbeiten kann. Der Nachteil: Es dauert sehr lange.

Julia Dierich, Lena Wilke und Ole Benstem sitzen in der Pausenhalle des Josephinums und setzen ihre Glasplatte im Auftrag der Wissenschaft in Bewegung. Das Zehntklässler-Trio ist dabei, einen Teleskop-Spiegel herzustellen. Ist die Arbeit beendet, können die Schüler damit zum Beispiel – den Rest des Teleskops vorausgesetzt – Himmelskörper beobachten. Doch im Grunde geht es um etwas anderes: Die Zehntklässler, gerade erst aus dem Osterurlaub zurück, wollen im nächsten oder übernächsten Durchgang an Deutschlands wichtigstem Wettbewerb für Nachwuchs-Wissenschaftler teilnehmen: „Jugend forscht“. Schon seit zweieinhalb Jahren beschäftigen sie sich damit, wie man einen Teleskop-Spiegel baut. Anfangs mit viel Theorie und kleineren Übungen mit Sand und Gips in einer Arbeitsgemeinschaft. Später stiegen die drei auf die Glasplatte um.

Das Trio würde gern in die Fußstapfen von Dennis Kobert treten. Der 17-jährige Abiturient des Josephinums ist aktuell einer der Landessieger bei „Jugend forscht“ und vertritt als einziger Teilnehmer aus Hildesheim die hiesigen Schulen vom 24. bis 27. Mai beim Bundeswettbewerb in Darmstadt.

Nur ein Zufall?

Als der Finalist sich noch nicht einmal für den Landeswettbewerb qualifiziert hatte, hatte Hi-Reg-Chef Matthias Ullrich die Leistungen des Bischöflichen Gymnasiums rund um den Nachwuchswettbewerb bereits hervorgehoben. Das Josephinum, so seine Worte bei der Vorstellung des anstehenden Regionalwettbewerbs, habe zwar in den zurückliegenden Jahren nie viele Teilnehmer zum Wettbewerb geschickt. Doch die Arbeiten derer, die mitmachten, hätten es in der Regel in sich. So räumten Schüler des Josephinums bis dahin drei Jahre in Folge Preise bei den Bundesentscheiden ab.

Ist das Zufall? Oder werden Josephiner auf „Jugend-forscht“-Erfolge getrimmt? Richtig ist, dass auch andere Schulen Erfolge rund um den Wettbewerb einfahren. Richtig ist aber auch, dass Eltern, die besonderen Wert auf die naturwissenschaftliche Ausbildung ihrer Kinder legen, von Anfang an mit dem Gymnasium auf dem Domhof liebäugeln. „40 bis 50 Prozent unserer Schüler wählen ein naturwissenschaftliches Profil“, sagt Schulleiter Benno Haunhorst.

Das Interesse setzt sich oft bis zum Abitur fort. Und spiegelt sich dort offenbar auch in den Noten. Im Schnitt legten die Josphiner in den Naturwissenschaften deutlich bessere Ergebnisse hin als alle anderen Schüler Niedersachsens. Der Landesdurchschnitt bewege sich bei acht bis neun Punkten. Die Abiturienten des Josephinums erreichten laut Haunhorst durchschnittlich drei bis vier Punkte mehr.

Ein ehemaliger Teilnehmer nimmt die Schüler an die Hand

Der Erfolg dürfte aber nicht zuletzt auch mit dem Namen eines promovierten Mathematikers, Astronomen und einstigen „Jugend-forscht“-Teilnehmers verbunden sein: Arndt Latußeck. Den Pädagogen darf man wohl mit Fug und Recht als Vater des „Jugend-forscht“-Erfolgs am Josephinum bezeichnen.

Latußeck ist selbst ehemaliger „Jugend-forscht“-Teilnehmer, hatte einst als Schüler des Andreanums in den Jahren 1987 und 1989 mitgemacht. Beim letzten Versuch übrigens mit einem Thema, das jetzt Dennis Kobert zur Perfektion brachte: der Frage nach der Dynamik eines offenen Sternhaufens. Einfacher ausgedrückt: Jeder Himmelskörper beeinflusst alle anderen in seiner Umgebung. Doch wenn 1000 Sterne einander beeinflussen, steigt der Wert der Möglichkeiten schnell ins Milliardenfache. Kobert wollte es ganz genau wissen: Er programmierte bis zu 20 Computer gleichzeitig, die die Veränderungen am Firmament berechneten.

Ob er damit in Darmstadt punkten kann, bleibt abzuwarten. Aber die einstige Arbeit seines Lehrers Latußeck hat er mit seinen Forschungen bereits weit hinter sich gelassen. Der freut sich über die Erfolge, die oftmals seine Handschrift tragen. Im Mai will er Kobert nach Darmstadt begleiten. Und danach? Stehen Julia, Lena und Ole schon in den Startlöchern.

Jufo CHA 1  Jufo CHA 2 Jufo CHA 3 Jufo CHA 4

2018

2017

2016

2015

Finalist Dennis Kobert und
Betreuer Arndt Latußeck
fahren vom 24. bis zum
27. Mai zur Endrunde
nach Darmstadt.
Philip Held und Andreas
Schröter gewinnen in
Erlangen einen Sonderpreis
für ihren Nachweis eines
interstellaren Mediums.
Steffen Ryll aus Holle
gewinnt auf Bundesebene
einen dritten Platz
für seine Entwicklung einer
Stundenplan-App.
Felix Menze sichert sich
mit dem Thema „Periodische
Bahnen im eingeschränkten
Dreikörperproblem“ einen
Sonderpreis.