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Das Bischöfliche Gymnasium Josephinum

Domhof 7 - 31134 Hildesheim - Tel: 05121-1795-0 - Mail: buero@gymnasium-josephinum.de

1200 Jahre Schule am Dom

11. November 2019

Kirchenzeitung vom 3.11.2019: Im Frieden mit sich und Gott

 VON ANNA ABRAHAM

Wenn Schwester Nicole von der Welt außerhalb des Klosters spricht, sagt sie normal und macht Anführungszeichen mit ihren Fingern. „Normal“, das ist die Welt, aus der die 14 Schüler und zwei Lehrer vom Bischöflichen Gymnasium Josephinum kommen. Für die „Tage religiöser Orientierung“– kurz TRO – haben sie ihre normale Welt mit der Welt des Klosters vertauscht und sind ins Gästehaus der evangelischen „Communität Christusbruderschaft“ in Selbitz eingezogen.

 

Ihr Lächeln ist das Markenzeichen von Schwester Nicole.
Fotos (3): Anna Abraham

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Auf der Zugfahrt von Hildesheim nach Selbitz in Franken unterhalten wir uns über unsere Erwartungen und Vorurteile. Abgeschottet, dunkel, fromm. Doch diese Wesen in Grau faszinieren auch. „Ora et labora“ nennt sich ihr Programm, ange­lehnt an die Regel des heiligen Benedikt.
Wir alle sind freiwillig mitgefahren, konnten insgesamt aus fünf Projekten auswählen – und haben uns für das Klos­terleben entschieden. Einer unserer Jungs hofft auf „gutes Essen“ aus der Klosterküche, anderen ge­fällt die weite Entfernung von zu Hause und vom Alltag. Merle Rischmüller und Caroline Ellerhoff freuen sich auf viel fri­sche Luft und darauf, einfach mal einen neuen Lebensstil kennenzulernen.

Gemeinschaft ist den Schwestern ganz wichtig

Anders ist das Leben hier auf jeden Fall. In der Communität in Selbitz leben 107 Schwestern und drei Brüder. Der Tag beginnt um acht Uhr mit der ersten Gebetszeit, die nächste ist vor dem Mit­tagessen und abends gibt es auch noch eine.
In meinem Alltag spielt Konsum ei­ne große Rolle. Die Schwestern dagegen haben pro Monat nur 15 Euro zur Verfü­gung. Wir sind es gewohnt, in unseren Familien zu leben, das ist übersichtlich, da kann man sich auch mal aus dem Weg gehen. Bei den Schwestern ist Gemein­schaft ganz wichtig. Wer mit 60 anderen auf engem Raum lebt, muss auch Meinungsverschiedenheiten aushalten.
Während der Tage im Kloster begleitet uns Schwester Nicole. Als Symbol für die drei Grundtugenden Armut, Keuschheit und Demut trägt sie eine Kordel mit drei Knoten um die Hüften – wie einen Gürtel. Wer in Selbitz im Kloster leben möchte, darf beim Eintritt nicht älter als vierzig sein und muss mindestens drei Jahre Be­rufserfahrung haben.
Im Gegensatz zu anderen Orden berei­tet man sich hier im Kloster noch nicht auf den „geistlichen Tod“ vor, wie Schwester Nicole das Aussterben durch Nachwuchs­mangel bezeichnet. Alle ein, zwei Jahre nehmen sie eine neue Novizin auf. Dazu tummeln sich auf dem Gelände, zu dem auch ein Altenheim gehört, FSJler, Kon­firmanden, Sinnsuchende, Klostertester auf Zeit und eben wir, ein Haufen 17­- und 18-­jähriger Schülerinnen und Schüler.

Lächeln – bei der Arbeit und beim Gebet

Mir fällt schnell auf, dass die meisten mit einem Lächeln unterwegs sind, egal ob bei der Arbeit oder beim Gebet. Genauso wie Gartenschwester Heidi. Die braun­gebrannte, herzliche Frau versorgt uns mit „Labora“, mit Arbeit. Sie verteilt uns über das große Gelände, um eine Wei­denkapelle zu restaurieren oder Löcher zu graben. „Da sollen Büsche und Blumen eingepflanzt werden, unter anderem Ro­sen“, erklärt Heidi.
Nach den stressigen Schulwochen stellt die körperliche Arbeit einen guten Ausgleich dar. Als wir im Wald stehen und Zweige mit der Gartenschere abschnei­den, fühlen wir uns frei. Ohne Einschrän­kungen ziehen wir umher und doch hat­ten wir einen klaren Auftrag, Stangen für die Weidenkapelle zu schneiden. Gerade als wir richtig dabei sind, voller Energie und Elan und mit dem Willen, fertig zu werden, holt uns Schwester Nicole wie­der ab. „Recreatio“, lautet die Antwort auf unser „Warum?“. Sie berichtet, dass auch sie von der Gebetsglocke oft aus ihrem Tun gerissen wird und sich dann langsam auf den Weg macht, denn „wer zum Gebet rennt, kommt am besten gar nicht“, erklärt sie.

 

Anna Abraham TRO 1        Anna Abraham TRO 3
Caroline Ellerhoff schneidet Zweige für den Neubau
einer Weidenkapelle im Garten des Klosters Selbitz.
  Nach getaner Arbeit freuen sich die Schülerinnen
über die fertige Weidenkapelle.

 

Kloster ohne Jahrhunderte alte Tradition

Mit ihrem Eintritt ins Kloster hat Schwes­ter Nicole ihre Prioritäten klar gesetzt. Um als Ordensgemeinschaft auch einmal für sich zu sein, gibt es die Unterteilung in „Klausur“, also nur für die Nonnen, und den Gästebereich mit eigener Kapelle. Nun gilt es, still zu werden, Gespräche verstummen und wir setzen uns auf die Stühle. „Gregorianisch“ nennen sie ihre Art, Gott zu loben. Im Klartext bedeutet das, Psalmen im Sprechgesang vorzu­tragen. Besonders setzen sie dabei auf Stille und Wiederholung. Nach jedem Vers folgt eine Atempause, dieselbe Bibel­stelle eine Woche lang. Texte und Rituale sind in einem eigenen blauen Ringbuch­ordner gesammelt.
Auf eine Jahrhunderte alte Tradition kann das Kloster Selbitz noch nicht zu­rückblicken. Eine Nonne gehört sogar noch zur Gründergeneration. Über 90 ist sie und montierte beim ersten gro­ßen Kirchraum die Dachlatten. Der Raum nebenan ist sogar noch ein wenig älter – der erste Versammlungsraum. In dem kleinen, rechteckigen Zimmer mit unge­fähr dreißig Stühlen und ein paar Tischen erzählt sie uns von der Geburtsstunde der „Communität Christusbruderschaft“. Am Karfreitag 1949 saß eine Gruppe junger Menschen zusammen mit ihrem Pastor Walter Hümmer und seiner Frau Han­na unter dem Dornenkranz, als Gott zu ihnen sprach: „Heute wurde ein Orden unter euch gegründet.“ Daraufhin be­mühten sich die zum großen Teil noch Minderjährigen, ihre Eltern davon zu überzeugen und im Gemeindehaus ein­zuziehen.
Was sich zunächst nach einem Myste­rium anhört, führte zu einem jahrelan­gen Kampf mit der evangelischen Kirche. Denn die hatte bisher gedacht, ohne ab­gegrenzte Orden auskommen zu können. Aber nach den Erfahrungen des NS-­Regi­mes war der Wunsch in den Jugendlichen so stark geworden, eine neue Art von Ge­meinschaft aufzubauen, dass ihr Bemü­hen bald zumindest anerkannt wurde.
Nicole erzählt weiter von der Anfangs­zeit, wie die Mitglieder der Gemein­schaft in den ersten Jahren zu acht in einem Zimmer schliefen, das auch noch geräumt werden musste, wenn Gäste kamen. Wir staunen. Und sie berichtet davon, dass sie auf das hören, was Gott ihnen sagt. „Ihr könnt also Gottes Stimme wirklich hören?“, fragt jemand. „Es ist von Person zu Person unterschiedlich“, meint Nicole, „manche hören Stimmen, andere sehen Bilder oder fühlen Dinge durch das Gebet.“

Dreimal darf man eine Aufgabe ablehnen

Zu wem Gott spricht, der gehorcht! Die­ses „Sendungsprinzip“ setzt sich auch im Orden durch. So ist die Gemeinschaft in einzelne Zellen unterteilt, die sich wö­chentlich treffen. Alle in Selbitz anwe­senden Schwestern setzen sich einmal im Monat zusammen, Entscheidungen laufen demokratisch ab, dazu wählt man eine Gruppe von Prioren, eine Art Leitungsteam. Schicken diese einen zu einem neuen Aufgabengebiet, hat man zwar dreimal die Möglichkeit, nein zu sagen, aber meistens folgt man, wie zum Beispiel Heidi. Bevor sie zur Garten­schwester wurde, arbeitete sie als Alten­pflegerin und hatte nach eigener Aussage „keinen grünen Daumen“. Im Moment ist sie für sämtliche Grünanlagen ver­antwortlich, züchtet verschiedene Sorten Tomaten und versucht auch sonst, die Küche möglichst autark zu versorgen. Mit der Zeit wuchs sie in die Tätigkeit hinein und holte sich zum Beispiel Hilfe aus dem Dorf Selbitz, lernte dort einmal wöchent­lich in einer Gärtnerei. Noch heute helfen ihr diese Verbindungen, denn „daraus sind Freundschaften entstanden“.
Während Schwester Constanze bei einem Frageabend deutlich macht, dass die Mitglieder des Ordens allgemein weniger Zeit für Verbindungen außer­halb der Gemeinschaft haben, berichtet Schwester Nicole, dass sie noch an der Uni Erlangen in den Bereichen Theolo­gie und Geschichte arbeitet. Unter an­derem finanziert sich mit ihrem Gehalt der Orden, denn von der Landeskirche bekommen sie nichts. Die zweite Säule der Finanzierung bilden Spenden und die dritte das Gästehaus.
Schließlich beantwortet Nicole auch die Frage nach der Keuschheit. Die Ent­haltung gibt ihr Freiheit, sich auf anderes zu konzentrieren. Verständnis für den Wunsch nach Familie hat sie trotzdem. Und wenn Schwestern oder Brüder sich doch einmal verlieben, dürfen sie dieser Berufung folgen – nachdem sie aus der Gemeinschaft ausgetreten sind.

Gut, dass es die Möglichkeit des Lebens im Kloster gibt

Andere Fragen, wie nach ihren konkreten Gründen für den Eintritt in die Gemein­schaft, umschifft Nicole zwar ein biss­chen, doch insgesamt sind viele Schwes­tern sehr aufgeschlossen und antworten gern. „Einmal eingetreten sind wir im­mer öffentlich und repräsentieren den Orden“, betonen die Schwestern. Wer in Selbitz oder einem der Schwesterklöster lebt, steht zu seiner Entscheidung für den Glauben und dieser Art von Familie.
Nach drei Tagen Arbeit steht die kleine Weidenkapelle wieder und im Garten fin­det man 100 neue Löcher, die demnächst bepflanzt werden sollen. „So viel wie in diesen zwei Tagen habe ich noch nie gebetet“, meint Caroline Ellerhoff. Doch eintreten möchte sie dennoch nicht. „Aber ich finde es gut, dass es in un­serer Gesellschaft diese Möglichkeit des Lebens im Kloster gibt.“
Zum Abschied winkt uns Schwester Ni­cole noch einmal zu. Wir fahren zurück in unseren „normalen“ Alltag. Während sie zurückbleibt – im Frieden mit sich und mit Gott. Als wir das Kloster verlassen, beginnen die Glocken zu läuten und ru­fen Nicole und die anderen Schwestern zum Mittagsgebet.

11. November 2019

Kirchenzeitung vom 3.11.2019: Dem Himmel ein Stück näher

Dr. Arndt Latußeck, Lehrer am Josephinum, nimmt an einer Forschungsmission teil

Für Arndt Latußeck geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Zwar fliegt er nicht ins Weltall, aber als einer von fünf deutschen Lehrern wird er Anfang Dezember an einer deutsch-amerikanischen Forschungsmission teilnehmen.

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Die Astronomie AG des Bischöflichen Gymnasiums Josephinum freut sich mit Arndt Latußeck über seine Teilnahme an einer SOFIA-Mission, von der er am 4. Dezember live aus Kalifornien ins Josephinum berichten wird.


„Ich fliege nicht direkt ins Weltall, aber so weit ran, wie es ein Flugzeug noch kann“, sagt Dr. Arndt Latußeck. Der Lehrer vom Bischöflichen Gymnasium Josephinum in Hildesheim hat sich mit Erfolg auf die wenigen heißbegehrten Plätze einer SOFIA-Mission beworben. „SOFIA steht für Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie. Von einer speziell gebauten Boeing 747 kann ich dann in rund 14 Kilometer Höhe mithilfe eines Infrarot-Teleskops Blicke weit in den Weltraum werfen, die man von der Erde aus nicht machen kann“, erklärt Latußeck den Mitgliedern der Astronomie AG der Schule.

Schon viele Schülerinnen und Schüler hat er mit dem Astronomievirus angesteckt – in der AG oder im Seminarfach Astronomie in der Oberstufe. Er selbst hat bereits als Schüler mehrfach erfolgreich beim Wettbewerb „Jugend forscht“ teilgenommen – natürlich mit Themen der Astronomie. Nun coacht er Schüler und begleitet sie bei diesem Wettbewerb. Immer wieder sind Landessieger darunter oder wie in diesem Jahr sogar ein Bundessieger.

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Arndt Latußeck erklärt der Astronomie AG das SOFIA-Projekt, an dem die NASA, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Deutsche SOFIA Institut (DSI) beteiligt sind.


Jetzt freut sich Latußeck auf seine Forschungsmission. Zweimal wird er mit dem fliegenden Teleskop abheben. „Dabei werde ich ganz neue Einblicke in den Kosmos bekommen“, betont er, Einblicke, die bislang noch keiner hatte. Für Latußeck ist das Universum „voller Wunder und ein absolut faszinierender Teil von Gottes Schöpfung“. Und der möchte er gerne nachspüren. „Es ist doch eine wunderbare Gabe, dass wir Menschen in der Lage sind, diese Wunder nicht nur zu betrachten, sondern sogar zu erkunden und zu verstehen“, findet Latußeck und freut sich auf viele tolle und spannende Beobachtungen. „Vielleicht werde ich auch Polarlichter sehen, denn einer unserer Flüge führt uns bis über den 55. Breitengrad hinaus hoch in den Norden“, erklärt der Lehrer für Informatik, Mathematik und Physik.

Dass er bei SOFIA mitfliegen darf, empfindet Latußeck als Ehre und als Herausforderung, auch weiterhin als Botschafter für Astronomie unterwegs zu sein – in der Schule oder auch in seiner Freizeit bei der Hildesheimer Gesellschaft für Astronomie.

Edmund Deppe

07. November 2019

HAZ vom 6.11.2019: Mit der NASA Richtung Weltall

Astro Arndt Latueck  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es geht Richtung Weltall: Arndt Latußeck startet mit Sofia in die Stratosphäre. Elf Stunden fliegt er im Dezember kreuz und quer über Nordamerika. / Foto: Werner Kaiser (HAZ)


von MARITA ZIMMERHOF


Hildesheim. Seit er denken kann, ist er von den unendlichen Weiten des Weltraums fasziniert. Nun kann Arndt Latußeck den Sternen so nahe kommen, wie es nur wenigen Menschen vergönnt ist: Der 49-jährige Lehrer am Josephinum und zweifache Familienvater darf mit der weltweit einzigen fliegenden Sternwarte, dem Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie, kurz „Sofia“ genannt, bis in 14 000 Kilometer Höhe aufsteigen und auf zwei Flügen den wissenschaftlichen Betrieb an Bord einer umgebauten Boeing 747 SP mitverfolgen.
„Eine unheimliche Ehre. Ein Kindheitswunsch. Einfach toll“, schwärmt der Hobbyastronom, der 2009 über die Geschichte der Astronomie promoviert hat. Dass er nun selbst ein winziges Kapitel davon werden würde, hätte er da nicht einmal zu denken gewagt. Seit Sofia 2010 zu ersten wissenschaftlichen Beobachtungen aufgestiegen ist, durften nur rund 100 deutsche und amerikanische Lehrer mit an Bord und zuschauen, wie Astronomen ihre Daten sammeln.

Sekundengenaue Flugdaten
Sofia ist ein Gemeinschaftsprojekt der National Aeronautics und Space Administration, besser bekannt als NASA, und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Geradezu militärisch exakt wie bei Raumflügen von Apollo geht es auch bei der Sofia-Mission zu. Schon jetzt hat Latußeck die sekundengenauen Flugdaten für seine zwei jeweils zehnstündigen Flüge in den Nächten vom 3. auf den 4. und 4. auf den 5. Dezember.
Start ist im kalifornischen Palmdale: Eine halbe Stunde dauert allein der Aufstieg in die Stratosphäre: Weil die Luft hier praktisch keinen Wasserdampf mehr enthält, der für infrarotes Licht aus dem All unpassierbar ist, kann das Teleskop die unsichtbare Strahlung gleich hinter dem roten, sichtbaren Teil des Lichts ungestört empfangen.

Gegengewicht an Bord
17 Tonnen wiegt das in Deutschland gebaute Teleskop, 2,7 Meter Durchmesser misst der Parabolspiegel, der damit größer ist als das Weltraumteleskop von Hubble. Aus den Messdaten lassen sich Rückschlüsse auf die Entstehung neuer Sterne und Planeten gewinnen, ein Blick ins Zentrum der Milchstraße werfen oder Geheimnisse weit entfernter Galaxien lüften. Wegen des gewaltigen Gewichts des Telekops hat das Flugzeug im Bug eigens ein Gegengewicht an Bord.

Klappe öffnet sich im Flug
Von der Boeing 747 SP (Special Performance) sind in den 70ern nur 45 Maschinen für Ultra-Langstreckenflüge gebaut worden: Mit 56,4 Metern ist sie 14,6 Meter kürzer als die herkömmliche 747 und hat eine Reichweite von 12 300 Kilometern. Heute gibt es noch fünf Maschinen, davon zwei bei der NASA. Mit ihrer Flughöhe von 14 Kilometern fliegt Sofia vier Kilometer höher als Langstreckenflugzeuge üblicherweise. Die Fluggeschwindigkeit liegt bei 870 Kilometern pro Stunde. Ist die Beobachtungshöhe erreicht, öffnet sich für das Teleskop im Flugzeugrumpf eine große Klappe hinter den Flügeln.

Kreuz und quer über Amerika
Weil das Teleskop nicht zur Seite schwenken kann, gibt das Flugzeug die Blickrichtung vor: Der Flugplan geht zickzack über Nordamerika, als ob der Pilot komplett die Orientierung verloren hätte. Tatsächlich ist alles penibel vorgeplant. Für gewöhnlich dürfen bei den 200 Flügen jährlich nur Wissenschaftler an Bord. Zwei Mal im Jahr aber nimmt die NASA auch Lehrer mit – damit die bei ihren Schülern die Begeisterung für Astronomie entfachen.
Das aber ist Latußeck längst gelungen. Nachdem er 2003 am Josephinum Lehrer für Mathe,Physik, Informatik geworden war, gründete er umgehend eine Astro-AG, bald tauchte Astronomie im Profilunterricht der Mittelstufe auf, dann auch als Seminarfach in der Oberstufe, um wissenschaftliches Arbeiten zu vermitteln. Inzwischen hat die Schule sogar eine eigene Sternwarte. „Astronomie ist der perfekte Einstieg in die MINT-Fächer“, ist Latußeck überzeugt. Geschätzt 500 Schüler hat er mit seiner Leidenschaft schon angesteckt. „Darunter auch immer mehr Mädchen.“
Latußeck selbst besuchte das Andreanum, heimste 1987 und 1989 Siege bei Jugend forscht ein. Nach dem Abitur studierte er Informatik, arbeitete sechs Jahre bei Conti, gründete eine Firma für Softwareservice. Seine Leidenschaft für Astronomie blieb all die Jahre erhalten. Mit Schülern reiste er zur Sonnenfinsternis nach Sibirien und in die USA. Unter seiner Betreuung machen Schüler seit 2013 regelmäßig bei Jugend forscht mit, haben es bis zum Bundessieg gebracht.

Aus Astro-Alex wird Astro-Arndt
Der Kontakt zu DLR und NASA entstand über das Haus der Astronomie in Heidelberg, einer Einrichtung der Max-Planck-Gesellschaft, wo Latußeck selbst Fortbildungen besucht. Inzwischen ist das Josephinum sogar offizielle Partnerschule. Als er dort auf die Bewerbungsunterlagen stieß, zögerte er keine Sekunde. Dass er genommen werden würde, wagte er kaum zu hoffen. Doch er wurde.
Längst ist er für seine Schüler der Astro-Arndt. Und wie Astro-Alex will auch er von seinem Flug per Video-Schalte aus den USA ins Josephinum berichten. „In der Stratosphäre sind Beobachtungen möglich, wie ich sie noch nie machen konnte. Ein Traum.“

Astro Arndt 2   Astro Arndt 3
Sofia, das fliegende Stratosphären-Observatorium für
Infrarot-Astronomie, in der Luft. Hinter dem Flügel öffnet sich
die Luke für das Observatorium.
  Die blaue Linie zeigt die Flugroute der Boeing 747 SP, auf der Arndt Latußeck im Dezember über Nordamerika unterwegs sein wird.

09. Oktober 2019

HAZ vom 8.10.2019: Josephiner laufen auf den Spuren von Usain Bolt

JtfO LA Bundesfinale in Berlin HO

Leichtathletik. Die Leichtathleten des Gymnasiums Josephinum Hildesheim haben beim Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia in Berlin alles gegeben: Sie steigerten sich gegenüber dem Landesfinale in der WKIII um 150 Punkte –das reichte für Rang zehn.

„Wir haben uns noch einmal gesteigert, einen tollen Wettkampf geliefert und das Land Niedersachsen würdig vertreten“, resümierte Coach Matthias Harmening. „Das war schon geil, auf der gleichen blauen Laufbahn zu starten ,auf der Usain Bolt Weltrekord gelaufen ist“, meinte Teammitglied Henning Ölkers.

Für das Josephinum starteten in Berlin Henning Ölkers, Niclas Kaluza, Jobst Rathgen, Michael Strauch, Mika Herbst, Timon Westendorf, Finn Thorge Risch, Phillip Hauck, Fynn Henze und Alexander Babitsch. Betreut wurde das Team von den Sportlehrern Matthias Harmening und Hermann Strüber. tbr