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HAZ vom 28.04.2012: Brav ist nicht gefragt |
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Schüler des Josephinums setzen sich bei Landeswettbewerb „Jugend gestaltet“ durch / Ausstellung in Celle
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In Szene gesetzt: Schüler des Gymnasiums Josephinum haben im 16. Landeswettbewerb „Jugend gestaltet“ die Jury mit ihremkünstlerischen Können überzeugt. Fotos: Gossmann (HAZ)
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Pauline Warneboldt: „Timebomb“. |
HILDESHEIM. Zugegeben, die Kapuze und das winzige gelbe Warndreieck hätten einen stutzig machen können. Vielleicht auch der Kontrast von Grün und Rot. Aber grundsätzlich überquert auf dem Bild von Pauline Warneboldt lediglich ein Mann die Brücke über die Gleise in der Hildesheimer Nordstadt. Doch in der Tasche trägt er den Tod. „Timebomb“ ist der Titel der Malerei, mit der die 16-Jährige die „Berliner Schienenbomber“ thematisiert hat. Die Elftklässlerin ist eine von acht Hildesheimer Schülern, deren Arbeit sich beim Landeswettbewerb „Jugend gestaltet“ gegen 2200 andere Kunstwerke durchgesetzt hat. Neben sieben weiteren Josephinern hat auch Florian Langkopf vom Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte die Jury beeindruckt.
Und die Bewertung durch Künstler, Kunsthistoriker und Kunsterzieher ist laut Sabine Schreiner auch das Qualitätssiegel dieses inzwischen 16. Landeswettbewerbs. „Die wollen keine brave Schulmalerei, sondern sind für offene Lösungen, für innovative Konzepte“, ist die Erfahrung der Deutsch- und Kunstlehrerin am Josephinum. Sie kümmert sich seit sechs Jahren um den Versand der Schüler-Arbeiten, die von den Kunstlehrern für wert befunden werden. „Man darf nur Gutes einschicken.
Die dieses Jahr ausgewählten 240 Kunstwerke von 119 niedersächsischen Schulen sind zurzeit im Kunstmuseum in Celle ausgestellt. „Man fühlt sich wie ein Künstler“, freut sich Pauline Warneboldt. Denn die Arbeiten sind nicht nur „toll präsentiert“, wie die Schüler feststellen. Es gibt auch einen Katalog, in dem alle Arbeiten abgebildet sind. „Ein wunderbares Instrument, um sich neue Ideen zu holen“, freut sich auch die Lehrerin über die Vielfalt und Kreativität auf 75 Seiten.
Und die liefern auch den Beweis, wie gut sich die Josephiner innerhalb des künstlerischen Spektrums der niedersächsischen Schülerlandschaft schlagen. Tobias Albrecht zum Beispiel ist unter anderen mit einem Foto vertreten, auf dem er eine Gegenlichtaufnahme vom Marktplatz in ein Schwarz-Weiß-Foto verwandelt und dann durch Farbakzente künstlerisch verfremdet hat. Die Technik nennt sich Colour-Key, verrät der Hohenhamelner. Vor fünf Jahren schenkte sein Vater dem heute 16-Jährigen eine Kompaktkamera, die inzwischen durch eine professionelle Spiegelreflexkamera ersetzt ist. Denn Tobias kann sich vorstellen, sein Hobby zum Beruf zu machen. Allerdings ist er sich des Risikos bewusst: „Fotografen gibt es wie Sand am Meer, man muss schon richtig gut sein.“
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Naomi de Ssouza Beck: „Giraffe in der Savanne“.
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Felix Hofmann: „Alt und Jung“. |
Dominik Waide und Niklas Katzmann liebäugeln eher mit einem Studium der Gesellschaftswissenschaften. Gemeinsam mit Johannes Bradt haben sie das Thema „Alt und Jung“ fotografisch umgesetzt. Dabei wollten sie vor allem die technischen Veränderungen ins Visier nehmen. Jung sind sie selber, also brauchten sie einen älteren Menschen. „In der Fußgängerzone haben wir viele Leute angesprochen, aber die meisten wollten nicht“, erinnert sich der 16-jährige Johannes aus Pattensen. Doch dann fand sich ein freundlicher älterer Herr und ließ sich eine monumentale alte Schreibmaschine auf den Schoß setzen – nicht ohne den mit einer Plastiktüte zu schützen. Das Hämmer-Werkzeug hatte Dominik im Keller gefunden. Johannes übernahm den Part Jung und balanciert sein Macbook auf den Knien.
Den größten Raum in den zwei Stockwerken des Kunstmuseums nehmen Zeichnungen, Malerei und Collagen in Anspruch. Selten dagegen hat sich die Jury für die alte Technik des Linolschnitts entschieden. Aber die professionell gestaltete Giraffe von Naemi de Souza Beck hat sie denn doch überzeugt. Wahrscheinlich gerade, weil die 15-Jährige bewusst die eigentlich dunklen Flecke des Langhalses im Druck ausgehöhlt und damit Weiß gelassen hat. „Ein anspruchsvoller Wettbewerb, man hat das Gefühl als Kunstlehrer, das wird gewürdigt“, freut sich Sabine Schreiner. Ihre Schüler nicken: „Wir empfinden es als Ehre, dort vertreten zu sein.“
Die Ausstellung „Jugend gestaltet“ ist bis zum 3. Juni im Kunstmuseum Celle zu sehen. |
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KEHRWIEDER vom 29.04.2012: 17-jährige Josephinerin Katja Döring macht zweiten Platz bei bundesweitem Wettbewerb in Berlin |
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Seit ihrem Aufsatz ist „Made in India“ für Kati tabu
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Ist nach einem Indien-Aufenthalt tief betroffen von den Folgen der wirtschaftlichen Ausbeutung: die 17-jährige Katja Döring. Foto: Rehbein |
(reh) Hildesheim. Freitagabend war einer der aufregendsten Abende im bisherigen Leben von Katja Döring. Die 17-jährige Schülerin des Gymnasium Josephinum nahm bei einem festlichen Empfang in der katholischen Akademie in Berlin den zweiten Preis eines Aufsatzwettbewerbes des Verbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) entgegen. In der Jury saßen hochkarätige Vertreter aus Kirche, Politik und Wirtschaft, unter anderem der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm und Georg Milbradt, ehemaliger Ministerpräsident von Sachsen. Das Projekt stand unter der Schirmherrschaft von Norbert Walter, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Aus dessen Hand nahm Katja Döring eine Urkunde und ein Buch über Wirtschaft in Europa entgegen – nicht zu vergessen das Preisgeld von 300 Euro, Small Talk mit Staatsminister Eckart von Klaeden inklusive.
Doch ohne Fleiß kein Preis: Im vergangenen Sommer setzte sie sich eine Woche lang jeden Tag von 9 bis 18 Uhr an den Schreibtisch, ging in Bibliotheken und las wissenschaftliche Wälzer. Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres schickte sie eine elfseitige, in kleinen Buchstaben getippte Arbeit an den KKV. Thema: „Soziale Marktwirtschaft und katholische Soziallehre – Grundlagen ethisch verantwortlichen Handelns in der Wirtschaft.“
Hat eine 16-Jährige in den Sommerferien nichts anderes vor? „Kati war schon immer so“, erzählt ihre Mutter Martina Döring, und aus ihren Augen strahlt eine Mischung aus Verwunderung und Stolz. „Sie steht morgens als Erste in der Familie auf und füttert den Papagei.“ Mit Papa Hans-Georg, in leitender Position bei der Firma Pelikan, diskutiere sie beim „Skat kloppen“ heftig über Politik, der versorge sie auch öfter mal mit Aufsätzen. Schon als 14-Jährige wurde sie ausgewählt, mit einer Gruppe des Josephinums nach Südindien zu reisen, um unter anderem die Partnerschulen des Gymnasiums zu besuchen. Dort wurde sie mit bitterster Armut konfrontiert. „Ich war noch zwei Wochen danach tief betroffen“, erzählt sie. Ausbeutung von Arbeitskräften in Billiglohnländern – das interessiert die 17-Jährige aus Achtum, dazu guckt sie auch gerne Fernseh-Reportagen.
Bei ihren Recherchen kam sie darauf, dass sowohl die soziale Marktwirtschaft als auch die katholische Soziallehre etwas fordern, das auch ihr sehr am Herzen liegt: einen sozialen Umgang mit dem Menschen. Etwas, das es in der heutigen Welt immer weniger gebe. „Die katholische Soziallehre fordert Gerechtigkeit und Solidarität, und dass man das Streben nach Profit und Macht reduzieren soll“, fasst sie ihr Werk zusammen, das für ihr Alter in einer erstaunlich wissenschaftlichen Sprache geschrieben ist. „Ich gehe davon aus, dass auch die Wirtschaftskrise nicht so stark ausgefallen wäre, wenn man sich nicht so sehr am Streben nach Macht orientiert hätte.“
Adolf Kolping sei in der Vergangenheit ein großer Vertreter der katholischen Soziallehre gewesen, „heute fehlen Idole und Vorbilder, die dafür stehen“. Aber jeder Einzelne könne sich daran in seinem Verhalten orientieren: „Ich kaufe jetzt verstärkt Fair Trade Produkte und nie in Billigläden, weil die Sachen meistens aus Billiglohnländern kommen.“ Denn was Ausbeutung dort für die Menschen bedeutet, hat sie schon selbst in Indien live erlebt.
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HAZ vom 3.05.2012: Der Preis für eine Woche Ferien |
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Josephinerin opfert freie Tage für Wettbewerb
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| Die Wirtschaft braucht ethische Regeln, findet die 17-jährige Schülerin Katja Döring. |
Hildesheim (hei). Katholische Soziallehre? Den Begriff hatte Katja Döring bis zum vergangenen Sommer noch nie gehört. Doch dann kniete sich die Josephinerin hinein in das Thema – mit Erfolg. Bei einem bundesweiten Aufsatzwettbewerb schaffte es die 17-Jährige auf den zweiten Platz. In Berlin bekam sie jetzt die Auszeichnung.
Sämtliche katholischen Gymnasien und Oberstufen in Deutschland waren aufgerufen, sich über die katholische Soziallehre Gedanken zu machen. Initiator ist der Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV), der sich dem Thema Ethik in der Wirtschaft verpflichtet fühlt. Dem Verband gehört auch Katja Dörings Vater an. Und auf dessen Anregung setzte sich die Schülerin in den vergangenen Sommerferien eine Woche hin, um den Aufsatz zu schreiben.
„So etwas durchzuziehen – dazu hat natürlich nicht jeder Schüler Lust“, sagt Nikola-Isabel Proske, am Josephinum Lehrerin im Fach Politik/Wirtschaft. Genau genommen: Nur eine Handvoll Schüler war an dem Aufsatzthema interessiert. Und außer Katja Döring schaffte es kein einziger, einen Text einzureichen.
Mit der sozialen Marktwirtschaft und ihren Wurzeln beschäftigen sich Gymnasiasten vertieft erst im elften Jahrgang. Die Schülerin aus Achtum hat somit bereits einen Vorsprung – und einen weiteren, weil sie Erfahrungen gesammelt hat, wie man eine Facharbeit anlegt. In der Stadtbibliothek verschaffte sie sich vor dem Schreiben einen Überblick über das Thema. „Ich musste auch herausfinden, wie man mit Zitaten richtig umgeht und wie man eine Einladung schreibt.“
Die Belohnung gab es jetzt bei der Preisübergabe in Berlin. Der Hildesheimer Bundestagsabgeordnete Eckart von Klaeden (CDU) bekannte in seinem Grußwort, auf die katholische Soziallehre sei er als Protestant regelrecht neidisch. Schirmherr des Wettbewerbs war der Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising. Auf dem Siegertreppchen standen am Ende drei Schülerinnen – neben der Zweitplatzierten setzten sich auch auf den anderen Plätzen Mädchen durch.
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HAZ vom 14.04.2012: Die Schülerlotsen sind wieder da |
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Nach jahrelanger Pause setzt wieder eine Schule auf Selbsthilfe

Autofahrer stopp! Antonia Horn testet die Warnkelle. Am Montag beginnt ihr Einsatz für jüngere Mitschüler.
Foto: Seidenfaden (HAZ)
Hildesheim (ide). Es ist früh am Morgen, als der Job für Antonia Horn beginnt. Energisch tritt die 16-Jährige in ihrer Warnweste auf die Straße und hält den herannahenden Autos die rot-weiße Kelle vor die Windschutzscheibe, die Autos halten sofort an. Das, was heute noch der Test für die 16-Jährige und ihre 15 Mitschüler war, wird ab Montag Ernst. Dann nämlich startet das Schülerlotsen-Projekt am Bischöflichen Gymnasium Josephinum.
Jahrelang hat es nach den Informationen von Oberstudienrätin Claudia Staschewski keine Schülerlotsen mehr in Hildesheim gegeben. Und auch das Projekt am Josephinum entstand eher aus der Not. „Durch die Bauarbeiten am Domhof und der Antoniuskirche gibt es praktisch nur noch den Eingang am Hückedahl, und das ist morgens das reinste Nadelöhr“, beschreibt die Mitorganisatorin das Problem. Da die Verkehrssituation aber gerade dort sehr unübersichtlich sei, habe man die Idee mit den Schülerlotsen entwickelt.
Jeden Morgen werden Dreiergruppen bei Wind und Wetter dafür sorgen, dass die Schüler ungefährdet den Hückedahl überqueren können, nachmittags stehen keine Lotsen als Hilfe zur Verfügung. „Morgens strömen die Schüler zeitgleich zum Josephinum, allerdings ist der Schulschluss für alle unterschiedlich“, erklärt Schulleiter Benno Haunhorst.
Bereits vor den Osterferien wurden die Schülerlotsen von Oberkommissar Michael Hartleib in die Arbeit der Schülerlotsen eingewiesen. „Wichtig ist es, dass man die Geschwindigkeit und den Bremsweg von Autos einschätzen kann“, beschreibt Hartleib einen Teil der Theorie. Der Oberkommissar nimmt aber auch gleich die Mitschüler in die Pflicht: „Es ist wichtig, dass die Schüler die Lotsen unterstützen, indem sie warten, bis der Verkehr angehalten ist. Sonst kann es doch wieder gefährlich werden.“
Unter den 16 Lotsen ist Antonia Horn das einzige Mädchen. „Vielleicht fühlen sich einige komisch dabei, sich hier morgens an die Straße zu stellen“, meint die Zehntklässlerin. Für sie war es aber selbstverständlich, bei dem Projekt dabei zu sein. „Ich finde es nicht schön, dass es hier so gefährlich ist und Kinder auf dem Schulweg gefährdet sind.“ Auch von einigen kleineren Unfällen mit verletzten Schülern habe sie schon gehört. Einen Vorwurf an die Autofahrer will sie aber nicht machen. „Die Straße ist einfach sehr unübersichtlich, und die Autofahrer sehen die Schüler erst spät“, so die 16-Jährige.
Auch für Miles Pieles war es selbstverständlich zu helfen. „Der Schulweg ist hier nicht sicher, und gerade die jüngeren Schüler brauchen einfach noch die Verkehrssicherheit“, meint der 15-Jährige, der hofft, dass die Lotsen auch von den älteren Schülern respektiert werden.
Als Vorbild für weitere Schulen sollen die Lotsen aber nicht unbedingt dienen. Durch Ampeln und Zebrastreifen hätten viele andere Schulen keinen Bedarf, meint Benno Haunhorst. „Wir planen mit den Schülerlotsen auch nur bis zum Ende der Bauarbeiten in zwei Jahren“, sagt der Schulleiter. |
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